Korrekturen und die Schwerkraft

Menschen mit HWS Schäden sollten nicht lange nach Unten blicken. Und: Es gibt Tage (leider auch Wochen) in denen der Blick nach Unten überhaupt nicht geht. Die Krümmung der Halswirbelsäule erzeugt umgehend starke Schmerzen und auch Ausfallerscheinungen neurologischer Art.
Am Rechner kann man sich seinen Arbeitsplatz dann so einrichten, dass der Bildschirm oben steht. Die Arbeit am Laptop (Blick geht da meist nach Unten) muss ja nicht sein und wenn kein anderes Arbeitsgerät vorhanden ist, dann hilft ein externer, höher gestellter Monitor.
Dumm nur, wenn man korrigieren sollte und das zu Korrigierende lediglich in Papierform vorliegt. Denn: Alle von mir bisher verwendeten Korrekturstifte (ich hab eine Vorliebe für die Tintenroller von Mitsubishi, wenn ich nicht mit Füller arbeite) brauchen Schwerkraft, um die Tinte von der Patrone zur Spitze zu bringen. Man kann mit derartigen Geräten nicht im Stehen arbeiten (waagrechte Stiftausrichtung, Klemmbrett an der Wand mit der Schülerarbeit daran) und selbst die Neigung des Stiftes beim Arbeiten mit Klemmbrett auf den hochgestellten Knien im Sitzen, was zumindest die HWS-Krümmung reduziert, führt schnell zu Aussetzern beim Tintenfluss. Der Korrekturgriffel muss schnell pausieren, wieder nach unten gerichtet eingeschrieben werden und erst nach einer Weile darf man weitermachen. Das nervt. Drei bis vier Stifte im Paralleleinsatz sowie ein Stiftständer kompensieren dies ein wenig. Das Einschreiben entfällt jedoch nicht zuverlässig. Also: Alle Arbeiten zuerst auf den Scanner legen und dann mit der Bildbearbeitung korrigieren? Das klang für mich nach der allerletzten Möglichkeit. Den enormen Arbeits- und Zeitaufwand hätte ich gerne vermieden.
Mir scheint, es gibt nur zwei Schreibgeräte, mit denen man dem Zusammenhang zwischen Tinte und Schwerkraft ein Schnippchen schlagen kann: Buntstifte (Blei) und Weltraum-Kugelschreiber.
Buntstifte, dachte ich, fallen aus, weil diese nicht Dokumentenecht sind. Da kam ich heute Morgen ins Umdenken.  Ich beschloss, dass mir das egal ist. Ich wollte die Arbeiten schlicht fotografieren und so den Korrekturstand sichern. Außerdem zeigten erste Radiertests, dass weiche Buntstifte so ölig sind, dass Löschungen sichtbar bleiben. Also auf in den Schreibwarenladen. Und da stellte ich dann fest: Es gibt dokumentenechte Buntstifte. In rot! Die Rettung für den Moment war gefunden.
Das Problem bleibt für die Zweit- und Drittkorrektur bestehen. Grüne dokumentenechte Stifte sind zwar auch vorhanden – aber braun fehlt und außerdem ist mir das zu heikel für das rechtliche Tamtam rund ums Abitur.
Bestellt habe ich mir nun den Fisher Space Pen. Außerdem soll es mit dem Mitsubishi SNP-7 einen weitaus günstigeren uniball Stift mit Gasdruckmine geben, den ich auch noch auftreiben will. Für beide gibt es zumindest rot, für den Fisher auch noch die anderen benötigten Farben. Weiter habe ich bei meiner Suche noch eine Firma „nebenan“ gefunden. Schmidt sitzt in St. Georgen und stellt Gasdruckminen mit farbigem Inhalt unter der Bezeichnung Schmidt MegaLIne Pressurized Refills her, die allerdings hier kaum im Handel zu finden sind.
Gasdruckminen müssten Korrekturen auf der ISS möglich machen. Da fühlt man sich nach einigen Klausuren so oder so besser aufgehoben.