Archiv der Kategorie: Elter

Ski

Alle heil wieder da. Nicht schlecht. Ich machte mir ja schon Sorgen, als ich auf den Webcams bei der Kanzelwand in den letzten Tagen nur graue Nebelsuppe sah.

Schlangenöl

Das Bundesfamilienministerium hat (mit sicherlich erheblichem finanziellen Aufwand) einen KinderServer ins Leben geholt, der nun unter der URL http://www.kinderserver-info.de/ beworben wird mit Slogans wie

KinderServer. Jetzt sicher!
Kinder brauchen sichere Surfräume. Mit dem KinderServer klappt der sichere Einstieg in das Surfvergnügen Ihrer Kinder.

Ist ja nett, dass hier per Werbebotschaft gekümmert wird. An „sicheren Surfräumen“ ist ja nichts auszusetzen. Die Webseite ist auch hübsch bunt und voll trendy und interaktiv und es flutscht und glitzert und das Marketing wird Juhu rufen. Mehr als Wortwolke und bunte Bildchen ist aber nicht: Der „sichere Einstieg in das Surfvergnügen“ funktioniert so nicht. Die zentrale Botschaft – „Jetzt sicher!“ – stimmt nicht.
Warum, steht hier: Baustelle KinderServer.
Eine technische Lösung einzukaufen oder einen vom Staat bereit gestellten Proxy zu nutzen, in der Hoffnung, auf persönliche Begleitung dann verzichten zu können oder sich selbst nicht mit Technik auseinandersetzen zu müssen, wird schief gehen. Immer. Es handelt sich bei derartigen Angeboten schlicht um Schlangenöl.
Es wäre aus meiner Sicht wesentlich nachhaltiger, wenn Eltern auf Wissen bei sich und Kind setzten, Begleiter/innen wären und nur für die Notfälle noch auf eine zusätzliche technische Lösung vertrauten – z.B. auf die eigene Firewall auf Basis von IpCop / Smoothwall / IpFire und einen Workshop der ComputerAG.

Galette des Rois

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… wird heute als Erinnerung zum gestrigen Feiertag verkauft. Ganz nebenbei finanzieren die 8er so ihre Klassenfahrt. Eine Fève ist jedoch – zumindest von uns – nicht mit eingebacken worden. Nicht, dass sich noch einer verschluckt und dann spuckend in der Aula steht.
Kurz noch zum Rezept:

  • 100g Süßrahmbutter
  • 100g weißer Zucker
  • 100g gem. Mandeln
  • 2 Eier
  • 1 Rolle Blätterteig

Weiche Butter und Zucker schaumig rühren, gem. Mandeln hinzugeben und dann die Eier unterrühren. Ein Schluck Amaretto in dieser Füllung (Frangipane) schadet nicht – der Alkohol verdampft beim Backen.
Den Blätterteig aufteilen und eine Hälfte als Boden in eine gefettete, kleine Springform geben. Die Füllung darauf streichen und mit der zweiten Hälfte Blätterteig zudecken, am Rand die beiden Blätterteiglagen zusammendrücken. Mit einem Messer ein Karomuster in den Teigdeckel ritzen. Hierbei nicht zu tief einschneiden, sonst kommt die Füllung durch. Wer auf Zierde steht, kann den Deckel dann noch mit Ei einstreichen.
Bei 200 C bei Ober-/Unterhitze auf der mittleren Schiene ca. 15 Min. backen. Dann die Temperatur auf 180 C absenken und ca. 15 Min backen – bis die Farbe stimmt.

Blister IRL

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Hier lästerte ich noch über die Blisterverpackungen der Türgriffe im Neubau. Nur wenige Wochen später muss ich sagen: Es gibt auch Situationen, in denen die Schwierigkeiten beim Öffnen derartiger Verpackungen einem schlicht den Schweiß auf die Stirn treiben und ans Fluchen gar nicht erst denken lassen – z.B. wenn man versucht, eine weiche Tablette in einer Notsituation aus einer harten Verpackung zu bekommen.
Ich bin heute noch froh, dass Gerd vorbei kam – und vor allem bin ich froh, dass er längere Fingernägel hat als ich.
Einmal von den Problemen beim Öffnen derartiger Verpackungen abgesehen besteht generell das Problem, dass man als LuL oft nicht weiß, welche der vielen Notfallpacks, die sich inzwischen im Sekretariat für unsere SuS stapeln, man welchem Kind in welcher Situation überhaupt in welcher Form verpassen soll. In einer Notsituation – das weiß ich nun – kann ich mir auch nicht die (oft zwei DIN A4 Seiten überschreitenden) Beilagen zu den Packs durchlesen, von den Beipackzetteln bei den Medikamenten einmal komplett abgesehen. Weiter bin ich darauf angewiesen, dass a) der Notfall in einer Gruppe vorkommt, so dass b) einer der Umstehenden mir sagen kann, wer da denn vor mir auf dem Schulhof liegt, so dass ich c) unsere Sanis informieren kann, dass diese das richtige Päckchen fangen sollen.
Ich stell mir vor, dass die Eltern von gefährdeten Kindern zusammen mit diesen zu Beginn eines Schuljahres in eine GLK oder Dienstbesprechung kommen und uns, wie auch den Sanis, erklären, was wann wie zu tun ist. Das geschieht aber so gut wie nie – konkret: das geschah bisher nur ein einziges mal.
Mir lässt der dümmste anzunehmenden Fall keine Ruhe. Soll ich alle Päckchen holen und auf einmal applizieren? Das richtige Medikament wird dann ja dabei gewesen sein!?
Die Tablettenverpackung vom Bild oben trag ich noch heute mit mir rum …

Verrechtlichung

Seit dem Filesharing Urteil des BGH ist die Juristerei in Bewegung gekommen. Da Eltern nun nicht mehr automatisch für das Verhalten der Kinder im Netz haften, verschiebt sich die Diskussion auf Fragen der Belehrung der Kinder durch die Eltern und damit in Richtung Dokumentation dieser Belehrung.
Über die Webseite des Rechtsanwalts Solmecke steht nun ein Mustervertrag über die Internetnutzung – abzuschließen zwischen Eltern und Kindern – zum Download zur Verfügung [via].
Einerseits: Ich vertraue zwar weiterhin lieber auf das direkte Gespräch gepaart mit einer ordentlichen Firewall und Block Outgoing Traffic, aber ich kenne aus meiner Arbeit wenigstens die anzusprechenden Themenbereiche. Wer mit dem Netz nicht so vertraut ist, könnte diesen Mustervertrag also als Liste von Themenbereichen, über die man ins Gespräch kommen kann, lesen.
Andererseits: Eine Verregelung des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern in der Form eines schriftlichen Vertrags … da wird mir schlecht.
Handelt es sich wenigstens um gutes Unterrichtsmaterial? Ich meine: nicht wirklich. Einmal ist man zu schnell beim Ergebnis, dass der Mustervertrag als Vertrag nichts taugen mag, aber wenigstens einen Gesprächsleitfaden abgibt. Schwerer wiegt jedoch aus meiner Sicht, dass in diesem Papier die Beteiligung der Kinder an Sozialen Netzwerken wie Facebook nicht weiter problematisiert wird. Es mag ja sein, dass die Spackeria jeden Glauben an die Vertraulichkeit von Kommunikation mit guten Gründen über Bord geworfen hat – ich sehe in der Anerkennung des status-quo oder der Selbstbeschneidung von Menschenrechten jedoch keinerlei Vorteil und das aus allen Kanälen permanent wiederholte „es ist eben so“ – gepaart mit dem üblichen „Hauptsache es funktioniert“ – steigert weder die Kritikfähigkeit noch eröffnet es Chancen auf ein menschenwürdiges Leben in der Zukunft. Zumindest in der Schule sollten wir auf Wissen und Können setzen: wenn unsere Privatsphäre über Mailserver, Onlinespeicher und Webseiten in den eigenen Hände offensichtlich besser zu schützen ist, dann sollte dies zum Unterrichtsgegenstand werden.
Das da könnte ein Weg sein …

Nur für Erwachsene

Der folgende Post wird von allen Menschen unter 30 nicht verstanden. Surft wo anders weiter. Ja – geht weg!
Mein Feedreader spülte mir so eben eine Nachricht von Heise rein. Yps ist wieder da – und dieses mal als Heft für Erwachsene. Naja: inzwischen immer noch nicht erwachsen gewordene Spielkinder. Männer vor allem.
Die erste Ausgabe ist mit den Urzeitkrebsen garniert, die bei mir damals schon bald nach Fischsuppe stanken (bei meinem Kumpel Christian jedoch schnell zu Riesenviechern wurden). Sobald der Windmesser wieder Gimmick ist, kauf ich. Den hab ich damals nämlich verpasst und nirgendwo mehr bekommen. Bis dahin schreckt mich erstens der Preis ab (wir rechneten in der Grundschule alle Beträge in Yps um – das waren 2,50 DM) und zweitens will ich mir meine Erinnerungen nicht kaputt machen lassen: der Bonsai, der bei mir riesig wurde, die Erdnussplantage, die Kristallzucht aus Wunderstaub … Seufz!
Meine Grundschulklasse zerfiel in zwei Lager: Ypser und Micky Mäuse. Die Micky Mäuse waren die Blödköppe. Die Blödköppe waren immer die Mehrheit – und bildeten zusammen mit den Wendy-Leserinnen eine Gruppe, mit der man als Ypser nix zu tun hatte. Immer wenn ein neues Heft erschien (Christian hatte ein Abo – man war ich neidisch) traf man sich, aß im Sommer Brauner Bär oder Dolomiti und im Winter auch mal Raider, Briefe an den Verlag mit Wünschen zu neuen Gimmicks waren nicht unüblich. Ypser hatten auch Fischertechnik – Micky Mäuse hatten nur Lego. Vor allem hatten die Ypser an meiner Schule die Technikbaukästen von Fischertechnik, lernten später Farbcodes bei Widerständen, ätzten Platinen, unterschieden peek von poke beim CBM 8032, gewöhnten sich an ihren Minderheitenstatus und … Stopp. Nerdtales. Opa erzählt vom Krieg. Das ist der falsche Blog für solche Geschichten – ich mach mal die Kurve:
Ohne Yps in der Grundschule hätte ich nie Chemie-LK gewählt 🙂

Nur eine Nacht

Heute sah es auf unserem Schulhof nicht gerade vorbildlich aus. Lauter leere Bierflaschen und auch einiges an Glasbruch. Leider hatte mein Mittlerer über Nacht noch sein Fahrrad auf dem Schulhof stehen lassen, das ebenfalls das Interesse der Chaoten fand: Lampen abgerissen, Lenkerhörnchen abgerupft. War wohl alles in allem doch recht friedlich geblieben. Mein eigener Drahtesel hatte vor einigen Jahren durchaus mehr mitmachen müssen.

Junge, Junge


Am Mittwoch diese Woche war der Kriminologe C.Pfeiffer bei uns zu Gast und hielt einen Vortrag nach dem anderen: Am Vormittag für die Schüler/innen, am Nachmittag für uns Lehrer/innen und am Abend dann auch für die Eltern.
Ich hab von den Vorträgen für Schüler/innen und Eltern bisher noch kein richtiges Feedback erhalten, kann also nur was zu dem schreiben, was ich selbst miterlebt habe und da scheint mir, bin ich mit den falschen Erwartungen gekommen.
Wenn ein Professor vor einem akademischen Publikum spricht, so dachte ich, hat sein Vortrag eine theoretische Basis, dann werden die empirischen Befunde seines Instituts im Detail vorgestellt und zur Theoriebildung herangezogen, da wird abgewogen und differenziert. Ein Vortrag eben, wie man diesen auch an einer Universität erwarten würde.
Pustekuchen.
Mehr als Balkendiagramm und (stellenweise: sehr steile) These war nicht. Zwar fiel einmal das Wort Korrelation (im üblichen Zusammenhang: Störche und Zahl der Neugeborenen), aber dass er sich selbst die Mühe gemacht hätte, zwischen Korrelation und Kausalität zu unterscheiden, seine Kausalitätsbehauptungen zu belegen, nach Einfluss- und Zielvariablen klar zu unterscheiden oder auch nur einmal aufzuzeigen, wie Erklärungsmächtig verschiedene Einflussvariablen sind … da war nix. Auch eine Definition von zentralen Begriffen seines Vortrags (darunter Zuwendung oder Gewalt) unterblieb.
Da saß ich also, dachte mir zu Beginn noch „hab ich schon gehört“ oder „ist mir nicht neu“ und wurde mit der Zeit zunehmend wund, weil Herr Professor erkennbar simplifizierend und monokausal argumentierte. Als er, ein Kriminologe, sich dann für bildungspolitische Analysen zuständig erklärte und sich vollends im Meinen und Höhrensagen („mein Sohn“) verlor, schaltete ich ab.
Der Mann hat eine Botschaft – so viel ist schon klar. Aber diese kann nur dann gewürdigt werden, wenn er zwischen Drogeriemarkt (er schreibt für Centaur, ein Kundenmagazin der Rossmann Märkte) und Gymnasium unterscheidet.

WohlStand

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Gestern war der Stand schon in der Aula aufgebaut, auf dem unser Hausmeister versucht, die vielen Fundsachen wieder unter das Schulvolk zu bekommen, die sich bei ihm angesammelt haben. Arg erfolgreich war er nach eigener Aussage nicht. Obwohl rund 400 Menschen in der Schule auf dem Elternabend waren, sind nur „ein, zwei“ Kleinigkeiten weniger am nächsten Tag auf den Tischen.
So richtig wohl ist mir bei diesem Befund nicht. Da liegen Brillen neben Haustürschlüsseln und Markenklamotten im Wert von mehreren hundert Euronen … und wollen nicht abgeholt werden.
Vielleicht läuft es ja heute besser.

Kuchen


Kuchen sind die heimliche Währung an unserer Schule. Hier ein kurzer Überblick über die drei Haupttypen:

Typ 1: Der Dankekuchen

Aktuell und zum Bild oben: Mein Mittlerer wurde bei der Ausfahrt der Ski-AG Opfer einer ausgefahrenen Liftspur, lernte daraufhin Akias und Quads als Transportmittel kennen und weiß jetzt auch, was eine Rettungskette ist. Seine dauernde Begleitung in diesem ganzen Trubel hat sich also einen Kuchen echt verdient.
Der Dankekuchen ist – trotz im Grunde vielfach gegebener Anlässe – am Ende doch ein scheuer Typ und tritt im Schulalltag eher selten auf.

Typ 2: Der Besonderertagkuchen

Der Besonderertagkuchen ist eher im Lehrerzimmer zu Hause, in Klassenzimmern tritt er erst gegen Ende der Halbjahre und dann auch nur sporadisch auf.
Bei vielen Kolleg/innen ist er einmal im Jahr anzutreffen – und dann in zeitlicher Nähe zu Konferenzen. Leistungsstufen, Lehrproben und Beförderungen führen zu gehäuftem Auftreten.

Typ 3: Der Bringschuldkuchen

Weitaus häufiger trifft man auf dem Höhnisch den Bringschuldkuchen an.
Es gibt Kolleg/innen, die fordern bei mehrfach vergessener Hausaufgabe von den Schüler/innen das Backen eines Kuchens ein. Das führt dann (so zeigte eine kurze Umfrage) in vielen Fällen dazu, dass zu Hause die Eltern in der Küche rühren. Diese zahlen mit ihrer Zeit für die Vergesslichkeit der Kinder. In besseren Fällen (bei mir) kann das Kind backen – dann müssen die Eltern nur noch die Küche putzen.
Ist der Kuchen an einem Tag abzuliefern, an dem Sport ist und ist das Kind dann noch in der Bläserklasse, kann es ganz dick kommen: Belastet mit Schulranzen, Sporttasche und Musikinstrument ist auch bei gutem Willen keine Hand mehr für den Transport eines Kuchens frei. Nachdem also evtl. der Kuchen von den Eltern schon gebacken – im besseren Fall nur die Küche geputzt – wurde, darf man Taxi spielen.
Unter 45 Minuten Gesamtinvestition ist die pädagogische Maßnahme auf Elternseite kaum zu schaffen.
Ich frage mich, ob das nicht die heimliche Absicht hinter dem Bringschuldkuchen ist. Die Eltern lernen dann (viel schneller als das Kind), dass nicht erledigte Hausaufgaben mehr Ärger bedeuten als die regelmäßige Überprüfung der Hausaufgabenhefte oder evtl. auch Anrufe bei Klassenkameraden, sollte die eigene Brut zu den Verpeilten gehören.

Mischformen und Unterarten gibt es in freier Wildbahn ebenfalls zu beobachten.