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ICILS

Den in den letzten Wochen immer wieder hochblubberten Meldungen rund um die IT-Abstinenz deutscher Schulen (z.B. hier) stehe ich ratlos gegenüber. Die gesamte in den Leitmedien abgebildete Diskussion darum scheint mir nur Irrwege aufzuzeigen. Ich muss etwas ausholen:
Ich stelle durchaus fest, dass die IT-Kompetenz der Jugendlichen im Schnitt gegen Null strebt und dass die noch vor 10 Jahren in jeder Klasse zu findenden Hardware/HTML/CSS/Bildverarbeitungs/Programmier-Nerds immer seltener zu finden sind. Ich vermute, die Zahl der Hauptsacheesfunktioniert-Wischi-Doppelklickis wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, und das umso mehr, je „intuitiv“ bedienbarer die Geräte werden und desto mehr Dienstleistungen im Netz „kostenlos“ zur Verfügung stehen. Mit der unkritischen Nutzung von cloud-verdongelten Tablets ohne Tastatur (im Unterricht) ist dann der Tiefpunkt erreicht. Die (US-amerikanische) IT-Industrie hat das Gerät mitsamt der Nutzerdaten assimiliert. Resistance ist futile.
Leider konnte ich im vergangenen Jahr bei meiner Landesregierung wieder keine Projekte für eine IT Grundbildung, die das Verständnis der Technik ins Zentrum stellen würden, erkennen. Medienbildung bleibt im Kontext des neuen Bildungsplans ein Schlagwort. Mit „Hinter die Kulissen blicken“ und somit gymnasialer Bildung (zumindest wie ich diese hier grob verkürzt verstehen will) hat das wenig zu tun und dürfte auf Grund der Streuung über X Fächer und Lehrkräfte auch in Zukunft nicht einmal bei Assessments wie ICILS etwas bringen (ein Testmodul-Ausschnitt der angeführten Untersuchung ist hier online). Wenn schon, dann ruht meine Hoffnung eher auf der kommenden zentral projektierten Fortbildung zu Medienbildung, (ja – an der Vernachlässigung des Fachs Informatik kann die nichts ändern).
Doch heute und hier zuerst zu ICILS selbst: Aus meiner Sicht krankt die Studie an einigen Punkten: Das, was ich vom Test gesehen und im Berichtsband gelesen habe, deutet darauf hin, dass in dieser Desktop/Anwender-Fertigkeiten abgefragt wurden. Es geht in ICILS um Kompetenzen oder Ausbildung – aber nicht um Bildung. Ich führe im Folgenden einige Beispiele an.
Aside: Evtl. sperrt sich hier mein Bildungsbegriff gegen ein angemessenes Verständnis des verwendeten Kompetenzbegriffs – aber wenn die Macher der Studie gleich auf den ersten Seiten Kompetenzniveaus in den Zusammenhang mit der Zahl der verbauten Whiteboards bringen

Weiterhin finden sich im Mittel vergleichsweise wenige interaktive Whiteboards in den Fach- bzw. Klassenräumen in Schulen in Deutschland (durchschnittlich 5.5 Whiteboards pro Schule; im Vergleich Dänemark: 20.0; Niederlande: 25.5). [S. 18]

riecht das nicht nur nach einer unkritischen und industrienahen Perspektive, sondern zeigt auch auf, wie wenig über den Zusammenhang zwischen frontal im Klassenzimmer angebrachten 6000â,¬ teuren Gimmicks und konkreten Unterrichtsformen nachgedacht wird. Oder anders: Wie geht Individualisierung (eine weitere Leitperspektive) mit einem einzigen Smartboard im Zimmer? Bzw: Gibt es für einen derartig hohen Mitteleinsatz auch effektivere Medien? Z.B. Laptops? Der Fokus der Studie auf die reine Zahl an Präsentationsmedien aus der Gruppe one2many entkoppelt diese vom didaktischen Denken und öffnet sie gegenüber Firmeninteressen.
Auch die Literacy Konzepte der Studie (vgl. ab S. 87 ff) reflektieren nicht, in welchem Umfeld sich die Kinder schon bei der Informationsgewinnung bewegen – hier ein Bsp für information literacy:

Digitale Medien werden dabei als Werkzeug betrachtet, mit dem Informationen in verschiedenen Anforderungssituationen (z.B. Schule, Arbeit, Freizeit) für spezifische Zielsetzungen genutzt und erzeugt werden können.  [S 87]
[…] Dabei stehen funktionale, das heißt von der Lebens- und Arbeitswelt ausgehende, Kompetenzen im Vordergrund. Darunter sind anwendungsbezogene Kenntnisse und Fertigkeiten zu verstehen, die unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens für eine erfolgreiche Teilhabe an der Gesellschaft und für ein kontinuierliches Weiterlernen bedeutsam sind. [S. 87f]

Mich stört die im Konzept angelegte Entkopplung von Technik und Werten, die anscheinende Neutralität der Definition. Wer in einem total überwachten Umfeld eine „erfolgreiche Teilhabe an der Gesellschaft“ für bedeutsam hält, ohne zum Konzept von „Erfolg“ mehr auszuführen, als die üblichen Phrasen zum lebenslangen Lernen, springt für mich nicht nur zu kurz. Die funktionale Perspektive zielt auf ökonomische Verwertbarkeit. Es geht (mal wieder) nicht um Kritik oder wenigstens kritische Distanz und auch nicht um Verstehen.
So will mir z.B. nicht in den Kopf: Wie kann man nach Positivismusstreit, von mir aus auch nach Dürrenmatts „Die Physiker“ vor allem aber nach Snowden zu Computerthemen so forschen, dass man zwar Sicherheit als Thema in das Untersuchungsdesign mit aufnimmt und von Vertraulichkeit von Informationen schreibt

Der vierte Aspekt Informationen sicher nutzen bezieht sich auf zwei Dinge: erstens auf Kenntnisse über einen sicheren und vertraulichen Umgang mit computerbasierten Informationen und zweitens auf das Verständnis und Wissen über ethische und rechtliche Grundlagen der computerbasierten Kommunikation und zwar unter Berücksichtigung sowohl der Rolle des Rezipienten als auch der Rolle des Produzenten von Informationen. Zum sicheren und vertraulichen Umgang mit computerbasierten Informationen gehören u.a. Kenntnisse über Wissensbestände zum sicheren und reflektierten Umgang mit persönlichen und privaten Informationen und grundlegende Kenntnisse über Virenprogramme, sichere Passwörter oder das Erkennen von Phishing-E-Mails. Der zweite Punkt beinhaltet beispielsweise grundlegende Kenntnisse über das Urheberrecht von Internetseiten oder über die Nutzung von Pseudonymen im Rahmen der computerbasierten Kommunikation. [S. 92]

aber dann nicht an Themen wie z.B. Verschlüsselung denkt? Das uralte Sender-Empfänger-Modell (Produzent und Rezipient) reicht nicht aus, wenn der Man in the Middle immer vorhanden ist.
Dauernd fallen mir bei der Studie die Scheuklappen (der Macher? der Auftraggeber?) auf: Kenntnisse zu Virenprogrammen sind plattformgebunden, sichere Passwörter bringen ohne Verschlüsselung der Verbindung nichts, Pseudonyme helfen wenig, wenn die IP Adresse bekannt ist und auf Vorrat gespeichert wird etc. etc. etc. Auch die Übungsaufgabe zum Thema E-Mail greift im Kontext Phishing-Mails zu kurz:

Für die Aufgabenlösung muss entweder erkannt werden, dass die E-Mail-Adresse unter einem Freemail-Konto (und nicht einem Firmenkonto) angemeldet wurde, oder dass die E-Mail-Adresse nicht zum Stamm des Hyperlinks passt, der laut E-Mail betätigt werden soll. [S. 101]

Der Betrugsversuch wurde zwar nur von erschreckend geringen 7% der deutschen 8.-Klässler erkannt, aber auch eine richtige Lösung der Aufgabe heißt nicht, dass die Schüler/innen das Problem verstehen: HTML Mails – das ist der Alltag – bedürfen einer besonderen Analyse und auch der Absender einer E-Mail kann umgeschrieben worden sein, was man nur dem Quelltext der Mail entnehmen kann.
Immer wieder dachte ich beim Lesen der Studie: Die Zielgruppe waren doch 8. Klässler, nicht die Unterstufe – also eine Altersgruppe, in der viele ein Smartphone und einen Whats-App-/Facebook-Account haben und ihre Dateien, Kalender- sowie Adressdaten in der Cloud speichern. Wie kann man da das Niveau so bodennah ansetzen? Man mag diesem Einwand entgegenhalten, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass fortgeschrittenes Wissen bei denen vorhanden ist, die nicht einmal die ICILS Fragen beantworten konnten. OK. Dann steht es eben noch schlechter um die IT-Kompetenz. Dann muss das so benannt werden.
Wenn die Autoren der Studie am Ende der Ausführungen zu Deutschland schreiben, in Zukunft gehe es um eine

Erhöhung des Leistungsniveaus der Jugendlichen in Deutschland, um eine internationale Anschlussfähigkeit zu sichern [S. 140]

zeigt die Begründung wieder die Struktur der ökonomischen Wettbewerbsperspektive. Ich will nicht „anschlussfähig“ werden an das five-eyes Mitglied Kanada. Auch an die Niederlande, die beschlossen, das Urteil des EuGH zur Vorratsdatenspeicherung zu ignorieren [-link-zu-presseerzeugnis-gelöscht–ich-verlinke-euch-nicht-mehr-], will ich nicht anschließen. Und obwohl die in der Studie gut abschneidenden Dänen rationaler mit der VDS umzugehen scheinen als der Rest der EU: ich will überhaupt keine Anschlüsse. Ich hätte gerne, dass wir uns selbst Gedanken machen, was unsere Schüler/innen (am KvFG) fit macht für ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben im Kontext einer digitalen Industrialisierung.
Mir selbst schweben somit nicht die Spitzerische Konzepte vor, sondern ich sehe im Weg, den der CCC mit seinen Projekten vorzeichnet (CoderDojo, Chaos macht Schule, Jugend hackt etc.), die weitaus größeren Chancen. Den Dingen auf den Grund gehen heißt eben auch, diese auseinander zu nehmen (Analyse) und wieder zusammen zu setzen (Synthese). Mach das mal mit dem IPad Deiner Schule 😉 Das darfst Du nur oberflächlich befummeln und damit Lernapps konsumieren, um in internationalen Vergleichstests zu reüssieren.
Ich behaupte, dass Schüler/innen, die in der Schule lernen, ein Smartphone oder Tablet zu rooten, Cynogenmod zu installieren, das Gerät dann ohne Google-Dienste zu nutzen und stattdessen eine Anbindung desselben an die selbst-konfigurierte und installierte verschlüsselte Cloud auf dem eigen-admninistrierten RaspberryPi Server hinbekommen, haben für nicht einmal ein Viertel des Mitteleinsatzes durch den Schulträger das hundertfache gelernt. Sie haben nicht nur ein wenig „Medienkompetenz“ erworben, sondern um diese zu erwerben, so tief in aktuelle IT-Materie geblickt, dass sie die Chance haben zu verstehen, wie Gerät und Software funktionieren. Außerdem macht das nicht flüchtig Spaß, wie der jeweils neueste Appelkram, sondern Freude.
ICILS wird in den kommenden Jahren, so fürchte ich, einen kleinen Schulboom für die Werbewirtschaft, die IT Industrie und die Bildungsforschungsinstitute befördern helfen. Am Ende gelernt haben die Kinder nichts, was man sich nicht ohne Hilfe durch eine Lehrkraft hätte selbst beibringen können.
tl;dr: ICILS ist ein Medienkompetenz-Assessment und hat mit Medienbildung nichts am Hut.

Checker

Es ist wieder didacta und damit es geht es schon aus Prinzip nicht mehr um Bildung, sondern um Mammon. Schon gelesen? Das hier?
MS macht zusammen mit Cornelsen einen auf Schulcloud. Apple macht mit wem auch immer auch einen auf Schulcloud. Der Tod der gemeinsamen Plattform der Schulbuchverlage dürfte eingeläutet sein, bevor das Ding überhaupt in die Gänge kam. Macht nix – das Teil war eh Mist.
Jetzt riechen die üblichen Dickschiffe Geld … und auf Grund ihrer hervorragenden Beziehungen in die Kultusministerien werden auch die einen oder anderen Länder bzw. Schulträger den Datenschutz ihrer SuS und LuL über Bord werfen und mitmachen.  Ich bin mir sicher, dass keine der beteiligten Schulen oder Kollegen jemals ein Verfahrensverzeichnis angefordert hat oder gar einen Vertrag zur Datenverarbeitung im Auftrag mit den Beteiligten geschlossen hätte. Einfacher Grund: Legal geht Schulcloud mit den oben genannten Beteiligten nicht, wenn die Server außerhalb der EU stehen – und das war bei denen bisher immer spätestens dann der Fall, wenn es um die nächtlichen Backups ging. Die kamen nämlich in die US-Cloud. Meist wurden von den Webseiten aber schon im aktiven Betrieb Komponenten aus den USA gezogen … und dort auch wieder abgelegt.
Dank der Dauerüberfälle der hiesigen Grundschule bin ich inzwischen in dem Punkt komplett geschädigt. Ich bin nun so weit, dass ich beim nächsten Versuch, die Daten meiner Kinder an einen kommerziellen Anbieter zu verkaufen – sei es über Antolin oder gar die jetzt beworbenen Projekte – zuerst nach dem Verfahrensverzeichnis, dann nach dem Vertrag zur Datenverarbeitung im Auftrag fragen und mich im Falle der üblichen leeren und ratlosen Blicke dann direkt an den LfD wenden werde. Das müsste reichen, um die notwendigen Reflexionsprozesse in Gang zu setzen.
Nur einer scheint den Braten zu riechen. Cord macht in dem oben verlinkten Artikel auf eine Alternative aufmerksam, die es seit Jahren richtig zu fördern gälte: Open Educational Ressources statt Kommerzkram (siehe die letzten beiden Absätze im Artikel bei Heise). Recht hat er. Der Prozess hierzu könnte beschleunigt werden durch eine einfache Maßnahme: LuL, die für Schulbuchverlage und damit für proprietäre Anbieter von Bildungsinhalten arbeiten und hierbei Ressourcen des Staates nutzen, sollten dafür bezahlen müssen.

LimeSurvey

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Für den Fragebogen rund um das Thema Elternarbeit setzen wir in den folgenden Tagen LimeSurvey ein. Das Backend dieses Systems ist etwas sperrig, so dass die Einarbeitung Zeit gekostet hat. Zuletzt hatte ich LimeSurvey im Projekt Spielplatz genutzt … schon wieder zu lange her.
Der Fragebogen selbst wurde hier im Haus (eine Person mit Elternrolle ist ja vorhanden) vorhin getestet. Das war erhellend.
Umsion? Klar! Inhalt derselben? Ups. Kalender auf der Homepage? Klar! Nutzung? Ups. SELF? Klar! Sitzungsteilnahme oder Mailinglistenmitgliedschaft? Ups.
Und so ging es grad weiter.
Die ganzen ersten 10 Jahre meiner Schulzeit – in meiner Familie scheinen diese zwar als Erinnerung an die Namen der Projekte vorhanden zu sein aber die Inhalte … > /dev/null

Strahlensatz

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Wenn die Eigenen mit Mathearbeiten konfrontiert sind, dann endet schnell jeder väterliche Rat. Allerdings interessiert mich die Lösung dann doch immer so weit, dass ich nachfrage. So geschehen in der letzten Woche im Zusammenhang mit Strahlensätzen.
Ich verstand bei den Erklärungsversuchen meines Juniors nicht wirklich, was genau das Problem ist und die Wikipedia konnte auf Grund zu großer Komplexität und Tiefe des Artikels auch nicht richtig helfen.
Also bemühte ich die Theke im Lehrerzimmer und stellte fest: mit simplen Dreisätzen komme auch ich zu den gewünschten Ergebnissen.

WAF

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… da holt man sich einen Router ins Haus, um diesen für die Schule unter die Lupe zu nehmen (naja – zumindest ist das ein Teil der Wahrheit) und dann findet dieser keine Akzeptanz, weil er permanent blau auf seinem Uplink blinkt.
Zwar erlaubt OpenWrt die Steuerung aller LEDs, die vom System erkannt werden, aber genau die vier LEDs des Switches gehören nicht dazu. All die anderen, ruhig vor sich hinleuchtenden LEDs kann ich feinsteuern … Mist. Bringt nix.
Der WAF des Gerätes ist demnach 0.
Schön, dass das in der Schule dann keine Rolle spielt. Für zu Hause hilft ein Streifen schwarzes Isolierband. Sieht nicht hübsch aus, dimmt aber kräftig.

Routing

Es nervt: Da bringen die Routerhersteller wie DLink, Cisco, Linksys, TPLink etc. pp. Geräte auf den Markt, die weiß der Himmel was versprechen, aber die Dinger gehen in die Knie, wenn sich mehr als 5 Personen darauf verbinden. Fehler in der Firmware werden von vielen Herstellern auch dann nicht repariert, wenn diese dicke Sicherheitslücken darstellen. Der doofe Konsument im Heimbereich merkt das ja nicht – und die anderen kaufen eh Cisco.
Wir bisher auch.
Cisco bringt zwar immer mal wieder Updates heraus – diese ändern aber nichts an dem Umstand, dass die Router weiterhin bei „zu vielen Verbindungen“ einknicken oder sich schlicht abschalten, wenn sie meinen, sie hätten nun genug gearbeitet und deswegen etwas Ruhe verdient. Der Hersteller mag das unter Green-IT verstehen. Ein „übe Dich in Verzicht“-Programm, auf das ich während des Unterrichts keine Lust habe.
Kurz: Mir ist kein Routerhersteller bekannt, an dessen Firmware ich noch glauben kann. Keiner kümmert sich langfristig um seinen Kram und hat dabei tatsächlich die Probleme schulischer Administratoren im Blick.
Die einzige Hilfe ist OpenWrt.
Ist das Minilinux mal auf einem Routern drauf, geht es aufwärts: Mehr Verbindungen sind möglich, Softwareupdates und Patches für Fehler sind verfügbar, ein Paketmanager erlaubt die Installation weiterer Features und hält das System aktuell. Ein Traum.
Warum nur arbeiten die Router-Dickschiffe nicht gleich mit den Opensource-Leuten bei OpenWrt zusammen? Die können es doch offensichtlich besser.
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Anyway. Wir planen den Umstieg auch für die Schule, wollen den proprietären Kram nach und nach rauswerfen und unsere AccessPoints durch „äbbes gscheids“ ersetzen. Im Auge hatte Daniel den TPLink WDR4900 U900. Der ist keine Schönheit – aber er bringt schnelles WLAN auf zwei Funkbändern mit und versteht sich mit OpenWrt.
Ich hab mir den gleich mal für erste Tests für zu Hause besorgt (und meinen alten D-Link mit X Sicherheitslöchern entsorgt) … und siehe da: er scheint sein Versprechen halten zu können. Im Moment hängen alle Rechner des Hauses über WLAN am Router und saugen was nur geht. Es fühlt sich an wie zuvor allein auf dem D-Link. Das heißt jetzt noch nichts – für die Schule müssten wir die Performance einmal mit iperf messen und außerdem habe ich hier auch keine 15 Laptops … aber dafür ein klein wenig Hoffnung.

Schrottplatz

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Sie leisteten uns über lange Jahr treue Dienste – die FSC Laptops, die wir vor vielen Jahren über unsere Beteiligung als Pilotschule an Intel online beziehen konnten. Über die Jahre machten dann zuerst die Akkus schlapp – inzwischen gibt es kein modernes Betriebssystem mehr, das auf den Kisten noch so laufen würde, dass man sich im Unterricht damit abfinden wollte. XP mit 256 MB RAM. Das war einmal der Standard und die Laptops wurden von allen Nutzern auch als schnell empfunden. Heute fühlt sich dies, wir sind inzwischen SSDs gewohnt, schnarchlangsam an.
Also wandert von dieser Hardwareklasse alles, was nicht mehr sofort funktioniert, in die Aula zum Mitnehmen und / oder Ausschlachten. Dumm nur, dass es dann die eigenen Kinder sind, die einem den Kram wieder ins Haus schleppen.

Dumb your phone

Einfache Tipps, wie man sofort und ohne dickes technisches Hintergrundwissen seinem Smartphone etwas Datenschutz-Anstand beibringen kann, liefert eine Broschüre des Datenschutzbeauftragten aus Rheinland-Pfalz:
http://www.datenschutz.rlp.de/downloads/misc/smartphones/datenschutzeinstellungen_smartphones.pdf
Wie gesagt – die Broschüre beschreibt Einstiegspunkte. Der nächste Schritt wäre, das Smartphone zu rooten und dann eine Firewall wie AfWall+ zu installieren, in der sich für jede einzelne Anwendung einstellen lässt, ob diese nach Hause telefonieren darf oder nicht. Bis auf den Bootprozess des Smartphones, während dem die Firewall noch nicht aktiv ist, ist man so auf einer sichereren Seite – zumindest hat man die Kontrolle zurück erlangt.
Nur: Die Schritte für den Roothack sind von Gerät zu Gerät unterschiedlich schwer durchführbar und es steht die Gefahr im Raum, sein Handy in einen Briefbeschwerer zu verwandeln. Da muss man durch.

Handyknast

Die Rea hat die Regelung, dass Handys und verwandte Gerätetypen nicht ohne Genehmigung einer Lehrkraft in der Schule genutzt werden dürfen – nach meiner Kenntnis vor allem aus den folgenden Gründen:
Die SuS kommunizierten immer weniger direkt miteinander, standen dafür aber mit gesenktem Kopf über ihren Gerätschaften in der Ecke rum und das möglichst gleich nach dem Klingeln zum Stundenende. Gespräche zwischen den Schüler/innen drehten sich fast nur noch um Handyspiele und besonders „coole“ und teure Gerätetypen. Der Gruppendruck auf die Minderheit, die sich nicht klingeln lassen wollte oder deren Eltern ihre Kinder für zu jung hielten, war stellenweise sehr groß, sich auch ein Handy zuzulegen.  Dazu kamen dann Foto- und Filmaufnahmen vom Schulgelände und aus dem Unterricht inklusive aller Übertretungen der Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten.
smartphoneknastBei uns sieht es in manchen Pausen ähnlich aus: Unsere SuS – vor allem der unteren Klassenstufen – haben den Blick meist gesenkt und Däumeln lieber, als sich mit ihren Klassenkameraden zu unterhalten. In den oberen Stufen fällt mir das nicht so auf …
Die Befreiung aus dem selbst gewählten Handyknast täte Not: Aufklärung zu den Themen Sicherheit, Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht etc. pp. und dem gesamten technischen Hintergrund zu Clouddiensten wären sinnvoll, führen uns aber Grenzen:
Das Wissen zu den rechtlichen und technischen Fragestellungen im Kontext Handy / Smartphone ist im Kollegium nicht sehr weit verbreitet. Wir haben zwar zu diesem Thema einen pädagogischen Tag abgehalten, aber was da rüber kam war stellenweise unterirdisch. Mit Grauen erinnere ich mich noch an den verlogenen Vortrag zu Google, bei dem der Referent „zeigte“, dass Google „alle persönlichen Suchanfragen speichert“ … hierbei aber bei Google mit seinem Account eingeloggt war. Im Anschluss bastelte ich im KvFG Wiki an ein paar Seiten zum Thema Sicherheit, aber ich vermute mit diesem Projekt steh ich ziemlich allein da. Außerdem ist Sicherheit nur ein kleines Unterthema der vielfältigen Probleme rund um Handy und Smartphone.
Kommunikation ist das Hauptthema.
Und da könnte ein Verbot auch bei uns an der Schule helfen, wenigsten die gröbsten Auswüchse zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass die Beschäftigung mit diesen Geräten wieder dort stattfindet, wo Erwachsene beschlossen haben, dass auch Minderjährige unbedingt einen ungefilterten Internetzugang haben müssen: zu Hause!