Archiv der Kategorie: Zukunft

Endlich mal Klarheit!

Da sich das Kultusministerium bezüglich des datenschutzkonformen Einsatzes von MSO365 an Schulen immer so unklar ausdrückt, habe ich den Text mal so geschrieben, dass auch „Karl Napp uff der Gass“ versteht, was da steht. Erklärung eines Oxymorons.

Das Umweltministerium nimmt zur Diskussion um die Nutzung von Braunkohlekraftwerken  zur Stromerzeugung im Ländle Stellung.

Es ist richtig, dass wir im Zuge der Entwicklung der Stromversorgungsinfrastruktur verschiedene Anbieter und Produkte auf dem Markt prüfen und in Erwägung ziehen. Dazu zählt auch eine mögliche, umweltgerechte Nutzung von Braunkohlekraftwerken für einzelne Bausteine. Damit folgen wir auch einer zentralen Forderung des Landesrechnungshofs, bei der Stromversorgung keine Eigenentwicklungen vorzunehmen, sondern marktverfügbare Produkte zu nutzen. Braunkohlekraftwerke werden bereits von vielen Stromversorgern sowie in weiten Teilen der Welt genutzt. Ein Einbezug in die Stromversorgungsinfrastruktur im Ländle wäre vor diesem Hintergrund effizient und nah an der Alltagspraxis vieler Länder und Versorgungsunternehmen. Auch Bundesländer wie etwa Brandenburg (Schwarze Pumpe) und Nordrhein-Westfalen (Weisweiler) setzen derzeit Braunkohlekraftwerke zur Stromversorgung ein. Allerdings stellen wir unmissverständlich klar, dass es uns hier selbstverständlich um eine umweltschutzkonforme und CO2-neutrale Lösung mit einem stimmigen Umweltschutzkonzept geht. Die Behauptungen manch selbsternannter Umweltschützer im Land, das Umweltministerium wolle die Vorgaben der Pariser Klimakonferenz ignorieren, sind deshalb weltfremd und schlicht falsch.

Zur Klärung eines umweltschutzkonformen Einsatzes von Braunkohlekraftwerken im Rahmen der Stromversorgung im Ländle, haben wir die Landesanstalt für Umwelt von Anfang an miteinbezogen. Diese berät uns mit Blick auf Fragen des Umwelschutzes und der Versorgungssicherheit. Rein rechtlich muss die Landesanstalt für Umwelt einem Einsatz von Braunkohlekraftwerken nicht zustimmen. Da uns der Umweltschutz und die Beratung der Landesanstalt für Umwelt beim der Sicherung der Stromversorgung im Ländle jedoch sehr wichtig sind, haben wir uns ganz bewusst dafür entschieden, die Expertise der Landesanstalt für Umwelt frühzeitig einzubinden.

Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass unter Auswahl eines geeigneten Laufzeitmodells sowie unter Einbeziehung technischer und organisatorischer Maßnahmen eine umweltschutzkonforme Stromerzeugung gewährleistet werden kann. Das bedeutet, dass eine Version von Braunkohlekraftwerk speziell für den Einsatz für die Stromversorgung im Ländle konfiguriert wird, um beispielsweise sicherzustellen, dass eine etwaige CO2-Emission über die Ländergrenze hinaus nicht stattfindet. Auch über organisatorische Maßnahmen, wie beispielsweise Nutzungsordnungen, soll die umweltschutzkonforme Stromerzeugung im Ländle mit Braunkohle gewährleistet werden. Es ist zeitnah ein Austauschgespräch zwischen der Landesanstalt für Umwelt, dem Umweltministerium und den Versorgungsunternehmen Vattenfall und RWE geplant, um weitere Details und Möglichkeiten eines umweltschutzkonformen sowie CO2-neutralen Einsatzes von Braunkohlekraftwerken im Ländle zu erörtern.

 

Is it dead, Jim?

Wenn ich das Rauschen im Mailwald gerade richtig interpretiere, hat der LfDI in Baden-Württemberg MSO365 einen kräftigen Schubs in Richtung Klippe gegeben.

Das wäre längst überfällig und absolut notwendig, wenn Grundrechtsbindung mehr sein soll als nur hohles, leeres Wort.

Leider sind zum aktuellen Zeitpunkt keine Details veröffentlicht – aber die sollten dann ja zeitnah kommen.

Update 11.07.2020

Ich hab mich wohl zu früh gefreut. Meiner Wahrnehmung nach, ist Datenschutz nur eine Frage des „wordings“. Wirft mensch mit genug juridischer Phrasologie nach konkreter Technik, dann geht plötzlich doch alles.

Der Bildungssektor entwickelt für sich seine eigenen Weltraumtheorie.

Use IT

Die Medientechnik im Haus ist für den Alltag zu komplex. In den meisten Anwendungsfällen möchte man nur ein Bild als Einstieg zeigen, eine kurze Filmsequenz vielleicht oder ein Lied, eine Schlagzeile. Dazu

  1. den Beamer anzuschalten
  2. den Eingang für den Beamer am entsprechenden Switch richtig zu setzen
  3. die Soundquelle am entsprechenden zweiten Switch zu wählen
  4. einen Rechner mit der ganzen Komplexität des jeweiligen Betriebsyystems hochzufahren und sich dort anzumelden
  5. den USB Stick anzuschließen und / oder die Datei auf diesem bzw. im Homeverzeichnis zu finden

ist fehleranfällig und overkill. Das sind zu viele Tasten und Knöpfe, die gedrückt und Schalter, die gedreht werden müssen.

Ich denke, alltagstauglich ist das, was einfach ist.

Ein dummes Android auf einem Monstertablet als Tafel, das notwendige Grundfunktionen mitbringt, ist die bessere Lösung, die mehr Menschen erreicht. Vor allem auch die DAUs. Außerdem erreichen wir nur so einen dann zwangsweise erfolgenden Umbau aller Zimmer und somit die ersehnte Einheitlichkeit und auch Größe bei den Präsentationsflächen.

Alle anderen Lösungen mögen Verbesserungen zum jetzigen Kabelsalat mit Schrumpfpräsentationsflächen darstellen, bleiben jedoch immer „Basteln 2.0“. Erst wenn das Zentrum stimmt sollte man sich weitere Gedanken um die Peripherie (Präsentations-PC, L-Laptop, WDA, Dokumentenkamera etc. pp.) machen.

2020-01-19-medienentwicklung [pdf] [147 kb]

Mal sehen, was nun passiert. Vermutlich nix Grundsätzliches, sondern fortgeschritteneres Basteln mit Ausnahmen von jeglicher Einheitlichkeit als Regelzustand. Weil? Wir sind Schwaben und 10k € für ein Klassenzimmer sind uns zu viel.

Satt

Es kommt der Punkt, an dem man sich überlegen muss, ob die eigenen Ressourcen richtig eingesetzt sind, ob sich das Projekt überhaupt lohnt.

Ich hab in den letzten Jahren sehr viel gelernt – über Netzwerktechnik, über die Administration von Servern und VMs, über Clients in großen Netzen und über Mailserver und andere serverbasierte Software. Techniken und Abläufe, die ich vor 10 Jahren nicht einmal hätte fehlerfrei aussprechen können, hab ich nun relativ ordentlich „drauf“. Ich rolle Mail- und Webserver inzwischen zügig aus, weiß zunehmend selbst, was ich warum tu, erkenne und behebe die meisten Bugs direkt selbst, kann mich auf Feinheiten konzentrieren.

Der nächste Entwicklungsschritt ist nicht, unter weiterem Totalverzicht auf Freizeit noch eine Generation an Tech für Dritte auszurollen, die das Angebot weder wollen noch schätzen. Ich sollte vielmehr verstärkt in die Entwicklung einsteigen, meine Bash-, PHP- und Python-Kenntnisse ausbauen, mein rudimentäres C tütteln. Solche Dinge. Das bringt mir mehr – und am Ende auch denen, die den dauernden Auseinandersetzungen um offene Netze, FOSS, Datenschutz und Bildung etwas abgewinnen können.

Ich sollte meine eigenen und die mir von Freunden anvertrauten Netze weiter konsolidieren, vermehrt die dort genutzten und gehosteten Dienste absichern, viel mehr Krypto ausrollen. Da kommt dann vielleicht wieder was zurück, was sich von Gemaule, Chaos und Wurstigkeit unterscheidet. Privatsphäre ist ein Elitenprojekt. Die Menge liebt, was für den Marktplatz taugt.

Irgendwo unterwegs scheine ich vergessen zu haben, dass es in einer Demokratie nicht um Wahrheit geht, sondern um Mehrheit. Wenn eine Generation an unkritischen Spacken unbedingt ihre Daten – und die Daten ihrer Kinder – mit dem Segen des Staates und der Öffentlichkeit Dritten zum Fraß vorwerfen will …  muss ich es einsehen: Die paar Pinguine werden die Demokratie und das Menschenrecht nicht retten können. Wir sind zu wenige. Uns geht die Luft aus. Der Arbeitsaufwand wächst nicht – er explodiert. Der Trend geht auch bei Software in Richtung autoritäre Systeme.

Ich muss zeitnah meine Exitstrategie klar haben. Der Punkt, an dem ich es lassen muss und dann abschalte könnte jederzeit kommen. Es macht mich schon fast nicht mehr traurig das zu schreiben: ich hab es satt.

STUN/TURN Server und Nextcloud Talk

cloud kvfg

Nextcloud Talk in der KvFG Cloud

Nachdem ich heute Vormittag erfolgreich einen STUN/TURN Server ins Netz bekommen hatte, verdongelte ich diesen mit Nextcloud Talk und testete …

Mein dickes Katerchen Carlson war zwar im Rahmen des ersten Tests nicht sehr gesprächig, aber im Prinzip steht nun eine Videokonferenzlösung für das Kollegium zur Verfügung. Auch Externe können als Gäste an Videokonferenzen beteiligt werden, sofern man diesen den Link zum Konferenzraum (z.B. per Mail) schickt.

Läuft in allen modernen Browsern (Firefox, Chromium) und für die, die es nicht lassen können ist auch eine App für das Handy vorhanden. Schwierig könnte die Ressourcenausstattung meiner VM sein. Die muss im Alltag nun zeigen, dass sie es packt, bevor ich das größer bewerbe.

KI Lizenz

An Chefs mangelt es mir nicht und heute kam ein neuer dazu. Bis 5 Minuten vor Ende der Inthronisation war eigentlich noch alles OK – das übliche halt, wovon man weiß, dass es im Alltag flott untergehen wird: Dialog statt von Oben nach Unten; ich will erst einmal zuhören und lernen; alle haben bisher tolle Arbeit gemacht; ihre Expertise etc. wird benötigt; sie sind wichtig … so halt. Dazu noch ein wenig Phrasendropping und -drooling, das viel zu wenige als Humbug identifizieren, der Rest aber voll cool findet: Chancen der Künstliche Intelligenz! Muss man als Chef heute wohl gesagt haben. Will man den Gesamtverlauf positiv fassen, dann sagt man sich, es fehlte nur die Vorlage für ein Bullshit Bingo.

Aber dann brach es doch hervor, was sich zu Beginn nur andeutete: Lizenzen kaufen, föderale Dienste als Hindernis, Eigeninitiative als Zerfaserung, Notwendigkeit zentraler Dienste und Datentröge, Datenschutz als Hindernis … und als Krönung ein Vergleich mit Singapur, das sich Dank ein klein wenig Diktatur viel schneller und besser für die Digitalisierung aufstelle. Da war er ganz bei sich, Feuer und Flamme, ein Redner, der aus Überzeugung spricht.

Digitalisierung first – Bedenken second.

Ich hab dann noch versucht, mich wieder einzufangen, was mir nicht gelang. Also fuhr ich lieber ab, als ihn aus Versehen ihm nächstbesten Karpfenteich zu ertränken. Man muss wissen, wann es Zeit ist zu gehen. Mehr Professionalität brachte ich heute nicht auf.

Fremdschämen

Muss mich gerade aufregen über diesen Artikel bei N4T Ich weiß nicht, wie der hier geschilderte Unterricht wirklich ablief, aber die Schilderung macht mich kirre.

Mit ihren Tablets können sich die Jugendlichen interaktiv am Unterricht beteiligen.

Äh – ja? Alle sitzen in einem Raum. Was gibt es da bitte für Interaktivitätsbeschränkungen? Ich kann das mit meinen SuS sogar in 3D! Ne – warte. 4D ginge auch, weil sich die Schüler/innen sogar noch gegenseitig anfassen könnten. Oder 5D, weil sie nach Sport gegenseitig zu riechen sind? Zumindest kommt durch die Konzentration auf den Mensch, so wie er sich gibt, unvermittelt durch einen Bildschirm, nicht objektiviert, durchaus mehr „rüber“.

ruft Bilder und kleine Texte auf, die zeitgleich auf den Geräten der Schüler erscheinen

Alle SuS sehen zur gleichen Zeit das gleiche Bild und den gleichen Text – aber jeder an seinem eigenen Gerät? Gibt es einen Grund für den Einsatz individueller Bildschirme hier? Beinhaltet die Schilderung einen nachvollziehbaren Grund, warum man hier z.B. auf unterschiedliche Geschwindigkeiten bei den Lernern setzen müsste? Nein. Das geschilderte setting ist die Intro für

lässt … plötzlich Bilder von Babys auf den Tablets erscheinen

„Erscheinen“. Cool. Fortgeschrittene Technik ist eben von Magie nicht zu unterscheiden. Im Ernst: Das ginge auch noch auf einem OHP. Folie 1: Pizza, Gurke, Salat. Folie 2: Babys. Oder man spart sich diesen Einstieg, dessen Funktion nur die Erinnerung daran ist, dass es um Menschen als Ware geht und steigt direkt mit dem eigentlichen Thema ein: Designer Babys. Ein Artikel zum aktuellen Fall – ist das nicht kognitive Aktivierung genug? Nun ja. Dann täte es eine Karikatur zum Thema auch. Die hätte dann noch methodisch einen Anspruch, der über „ich will Pizza“ hinausgeht. Aber „es wird ein bisschen diskutiert“ zu Pizza oder Salat. Ist ja auch toll. Und relevant.

Die SuS können dann über „ihr Baby“ abstimmen.

Die anonyme Auswertung erfolgt sekundenschnell.

Schade. Die Bezugnahme auf die Wünsche der anderen SuS ist so unmöglich. Gibt es auch einen Knopf für „ich verweigere die Antwort, weil ich das ganze setting schon moralisch abstoßend finde“? Wenn nicht, dann sag ich das eher in einem Unterricht, der gleich von Anfang an ohne push the button, click the like auskommt, als hier, den Blick auf ein eigenes Tablet gerichtet, von den anderen im Zimmer somit teilweise isoliert.

Schon ist der Lehrer beim Thema Genmanipulation und «Designer-Babys». Eine ernste Diskussion setzt ein.

Echt? Der Lehrer ist da? Und die SuS? Die sind bis hier her: Informationsfrei. Gleich nach Pizza und blaue Augen. Bin begeistert. So muss die Zukunft aussehen. Wir diskutieren aus dem Bauch raus, weil an Emotionen fehlt es heute.

Präkonzepte der SuS erfassen geht so. Diskussion geht anders.

Weiter geht’s:

Im Unterricht aber auch von zu Hause können die Schüler auf Lernmaterialien zugreifen, eine Software zum Zusammenarbeiten und einen Messenger nutzen oder gemeinsam Office-Dokumente bearbeiten.

Das ist ja super, dass die SuS das können. Die bearbeiten auf dem Tablet und ohne Tastatur Text, Tabellen und Präsentationen? Die werden eher kurz bleiben, die Begründungen in der Argumentation dazu auch.

Überhaupt: Baden-Württemberg ist seiner Zeit ja um 10 Jahre voraus! Seitdem können unsere SuS, wenn die Schule ein paar mal hintereinander bei BelWü auf die richtigen Knöpfe klicken kann und die Lehrer/innen die entsprechenden Fortbildungen besuchten, das nämlich auch: Lernmaterialien abrufen, von zu Hause arbeiten, kommunizieren, gemeinsam arbeiten. Nennt sich ganz unerotisch Moodle. Gut – da geht die Arbeit dann nicht an Office-Dokumenten, sondern z.B. gemeinsam an Wikis; und die Kommunikation müsste in Moodle-Chats abgebildet werden, wenn die Foren nicht reichen, aber im Prinzip wäre alles da. Am KvFG ginge sogar die gemeinsame Arbeit an allen denkbaren Office-Dokumenten Dank Collabora Office und nextCloud mit integrierter Chatfunktion. Aber ich komme vom Thema ab.

Im Artikel geht es im heute üblichen Duktus weiter. Sogar das hier fällt noch

Lehrkräfte … sich künftig häufiger als Moderator, Anreger und Berater verstehen.

Empirie aus der Unterrichtsforschung ist hier also ebenso Wurst wie der aus den Zeilen triefende unkritische Kommerz sein Brot. Um es kurz zu machen: Ich habe selten eine solche Ansammlung von Maßnahmen auf Sichtstruktur lesen dürfen, die eben eines nicht leistet: den Mehrwert digitaler Medien zu zeigen. Was also ist der Sinn des Artikels?

Ich fürchte: Namedropping!

Die üblichen Verdächtigen mit ihren heute hippen Lösungen sollen genannt werden. Eine andere Funktion als Werbung kann ich mir schwer vorstellen, denn auch die anderen im Artikel genannten Beispiele zur konkreten Unterrichtspraxis sind die, die ich seit 1999 hörte, lange Zeit auf Fortbildungen zeigte, mit den Lehrkräften dort erarbeitete und noch heute direkt im eigenen Unterricht nutze. Nur der technische Wandel schlägt sich nieder: Monsterdisplays mit Tabletfunktionalität ersetzen inzwischen die Beamer (positiv, weil meist einfacher zu bedienen); Tablets ersetzen Laptops (negativ, weil die Tastatur fehlt und das komplette jeweilige Werbeökosystem inklusive Datenabfluss mitgekauft wird).  So wundert mich auch nicht, dass direkt neben dem Artikel der Shop verlinkt ist. Und Facebook und Google werden über entsprechende JavaScript-Einbindungen mitversorgt.

So, wie der konkrete Unterricht im Artikel geschildert wird, geht es wohl kaum voran, sondern nur schneller im ewig gleichen Kreis herum.

Configfest

OK – das ist jetzt auf den ersten Blick kein Werbebildchen für schulische Vorbereitungsräume, aber ich war trotzdem baff, wie viel Platz die am QG für ihre Arbeit im Schulnetz haben. Wir könnten in unserem Räumle gerade noch die Kartons im Bildvordergrund unterbringen – aber dann uns selbst nicht mehr.

Getagt (genächtigt) haben wir in einem weiteren Raum, dessen Funktion wohl die ist, ein Raum zu sein, in dem man sich aufhalten kann – für Besprechungen oder was auch immer. Ich war da wieder hübsch neidisch auf deren Platz im Haus.

In einer dem Bild oben gleichenden Atmosphäre gingen die Arbeiten zügig von der Hand: DomU rüber kopieren auf den neuen Server; DomU Update; Apache Config und noch ein paar andere Kleinigkeiten wie den Postfixadmin updaten und reparieren, alten Kram entsorgen – und dann zum Thema des Tages: Exim als Mailserver einrichten.

Überzeugt waren wir schnell von der Mächtigkeit. Auch schien uns die Struktur klarer zu sein, als bei Postfix. Also haben wir an den frisch eingerichteten Exim gleich einen Mailman getackert und getestet … und dann war leider die Kraft und die Zeit und die Pizza alle, bevor wir beim geplanten Setup mit Rspamd, DKIM, DMARC und SPF weiter vordringen konnten. Die nächste Session wird kommen.

BBB

Big Blue Button (BBB) ist eine Webkonferenz Lösung, die sich für den Edu-Markt selbst empfiehlt, auch weil sie eine Moodle Integration mitbringt. Da ich selbst Apache Open Meeting regelmäßiger verwende, wollte ich mir BBB einmal genauer ansehen. Außerdem: BBB soll – so klingt aus aus dem grapevine –  Teil der DBP werden, was mich fast so weit brachte, das selbst zu installieren. Eine VM hätte ich noch frei gehabt und die Installation ist kein Hexenwerk. Dankenswerter Weise hatte Andreas ein paar Stunden früher als ich die genau gleiche Motivation und dessen Installation nutzten wir vorgestern für einen Testlauf.
Erster Eindruck: Flash! Ich kann das einerseits verstehen, dass man auf Flash setzt, weil es Mikrofon und Webcam brav durchreicht. Aber Flash ist tot. Flash läuft nicht überall (z.B. auf Apple nicht). Flash ist nicht nur gefühlt eine Sammlung an Sicherheitslücken. Flash ist old school. „Brückentechnologie“. Bis die richtige Lösung kommt (HTML5 und WebRTC) könnte man jedoch damit leben.
Ebenfalls Teil des ersten Eindrucks: Java! Um den eigenen Bildschirm teilen zu können, muss ein nicht signiertes Java Applet zuerst herunter geladen und dann lokal gestartet werden. Das lässt nicht jeder Rechner einfach so zu, läuft dafür aber auch mit openJDK und damit ohne Oracle.
Zweiter Eindruck: Fummelig, kontraintuitiv, 19. Jh. Ich kann eine PDF hochladen und die kann man gemeinsam ansehen. Ich kann auch darin rummalen. Aber ich kann das Gemalte nicht speichern. Ich kann nicht richtig bearbeiten, was ich gerade gezeichnet habe. Eigentlich kann ich nur eine Präsentation ablaufen lassen und dabei reden. Das ist ein wenig wie lächeln und winken. Meine Zuhörer sehen mich und können, wenn ich das zulasse, Rückfragen stellen. Ich kann auf die Schnelle kleine Tests / Rückfragen einbauen, die diese mit einem Klick abnicken. Speichern kann ich die Ergebnisse nicht und auch nicht zuordnen. Frontalunterricht mit schicki klicki Optionen. Dabei muss ich die Augen permanent überall haben: Links oben gucken, ob sich jemand meldet oder seine „Laune“ ändert, rechts gucken, ob einer chattet oder dort eine Frage stellt, in der Mitte auf meine Präsentation gucken, zeichnen, texten und präsentieren und bei alledem in der Webcam nicht komplett doof aussehen (besonders schwer). Das geht mit drei bis vier disziplinierten Leuten noch glatt … und endet mit vielen SuS sicherlich im Chaos.
Dritter Eindruck: Dumbo Explorer. Es scheint keine ACLs für den Upload-Ordner zu geben und vor allem keine Möglichkeit, Unterordner anzulegen. Die PDF, die ich hochlade, gehört danach jedem. Das wird an einer Schule (also in der DBP) innerhalb kurzer Zeit zu komplett unübersichtlichen Chaosverzeichnissen führen. Im dümmsten Fall führt es zu urheber- und datenschutzrechtlichen Problemen.
Gesamteindruck: Insgesamt „nett“, wenn auch in vielen alltagskritischen Details weniger durchdacht als Apache Open Meeting.

  • Evtl. ist BBB für Kleinstgruppen mit klarer Hierarchie in einer nachhilfe-ähnlichen Situation zu gebrauchen, bei der man gemeinsam aber angeleitet in einen PDF-Scan des Schulbuches blickt?
  • Oder BBB ist geeignet für ein Screensharing-Setting, bei dem einer am gemeinsamen Dokument in der nextCloud arbeitet und die anderen helfen bei den Formulierungen etc.
  • Oder BBB ist geeignet für eine kleine, sehr disziplinierte Arbeitsgruppe, die ihre Arbeit mit Screenshots sichert (wer will das?) und hinterher ihre Dokumente aufräumt (digitales Tafelwischen).
  • Oder BBB ist geeignet für Nerds, die z.B. noch kurz ein Wiki im parallel laufenden Moodle dazu werfen, weil der Chat in BBB nicht ausreicht, die sich im nextCloud mit Collabora – am besten auf einem zweiten Bildschirm – ein Dokument gemeinsam vornehmen können.
  • Oder BBB ist eine PR-Lösung: Ein Spielzeug für ein paar Menschen, die gerne Arbeitszeit und Geld öffentlich verbrennen, weil es in der Elternschaft bei einer Demo cool ankommt. Dann wäre es ein Tool für die, die nicht fit genug sind, die Vielzahl an höher spezialisierten, dafür weitaus mächtigeren Werkzeugen zu bedienen.

Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, dann finde ich für BBB als Webkonferenzsystem keinen großen schulischen Markt, sondern nur kleine und sehr spezielle:  Wer fit genug ist, die vielen für Online-Kollaboration nötigen Werkzeuge zu kontrollieren, kommt mit einem reinen WebRTC Server, Etherpad, nextCloud, Collabora und Moodle viel besser klar und hat auch viel mehr Möglichkeiten. Und die, die eine höher integrierte einfache Lösung benötigen würden, sind technisch oft nicht fit genug, um mit BBB produktiv umzugehen.
Aber es wird kommen. Also setzt man bestimmt bald eine PG ein, die nach Einsatzszenarien fahndet, in denen man mit den vielen Glitches leben kann. Lasst mich raten: Vor dem Hintergrund meiner bisherigen Funde und der aktuellen bildungspolitischen Vokabelwolke müssen für BBB die folgenden Begriffe fallen: Differenzierung, Individualisierung, individualisierte Betreuung, S-L-Gruppen. Evtl noch Berufsorientierung, Studierfähigkeit, Nachhilfe, Leistungsgruppe, Arbeitsgruppe. Neu aufleben wird ein ganz alter Begriff: Instruktion.

Redmine > Mantis?

Unser Bugtracker unter Redmine wird nur von sehr wenigen Menschen befüllt. Lieber mault man rum, statt kurz einen Bericht abzugeben. Ich vermute, das könnte auch damit zusammenhängen, dass alle (!) Bugtracker auf den ersten Blick komplexe Oberflächen haben, die die Berichtenden abschrecken.
Viel einfacher wäre es doch, die User schickten eine Mail an eine bestimmte Adresse (allestutwieimmergarnicht@kvfg.de) und diese Mail wird dann vom Bugtracker selbständig abgeholt und als Bugreport in’s System gelegt, so dass er dort weiter bearbeitet werden kann.
Mantis kann das mit einem Plugin .
Und außerdem ist Mantis im Gegensatz zu Redmine auf einem Smartphone bedienbar, ohne dass man vor lauter pinch & zoom schwitzige Finger bekommt.


Mantis lässt sich im Vergleich zu einem Redmine auch viel viel einfacher installieren und damit aktuell halten. Für Redmine saß ich einen Tag und suchte mir Schritt für Schritt zu den entstandenen Problemen Antworten aus X Foren zusammen. Mantis war nach ein paar Minuten online – ohne auch nur einmal zu zicken.
Den Auth gegenüber unserem LDAP hab ich schon am Laufen. Was leider nicht klappt, ist der Auth gegenüber mehreren backends – also z.B. LDAP und als Fallback dann MD5 in der lokalen DB der Installation.