Archiv der Kategorie: Unterricht

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Digitafeln

Montiert sind die Dinger ja nun. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.

Katzenbildchen (jpg, png) lassen sich vom USB Stick in die Note App ziehen, das Schreibgefühl auf der Tafel ist auch OK, zehn Fingerchen werden gleichzeitig erkannt, die Stiftbedienungsoptionen sind vielfältig etc pp. Auch flac, mp3 und ogg lassen sich abspielen.

Aber von den vielen vielen Filmchen (mkv, webm, mp4) die ich für meine Tests mit dabei habe, läuft leider nur der Download von der Webseite des Heute Journals mit Bild und Ton.

Das bring mal einer den lieben Kolleg:innen bei, wie sie sich mit Handbrake und den passenden Einstellungen dazu genau das mp4 Format herrichten, das dann auf diesen zickigen Whiteboards läuft. Da muss (!) ein VLC drauf.

Ist auch machbar mit adb via tcp.

Und wenn da Software extra drauf muss, dann sollte die nicht so leicht wieder entfernbar sein. Lockapp ist demnach auch ein Muss – und davon hat es viele. Unendlich viele.

Und keine taugt was.

Jede getestete Lockapp konnte bisher auch wieder entfernt oder umgangen werden. Manchmal musste dazu ein wenig gefummelt und nachgedacht werden – aber für SuS mit Zeit und Beharrungsvermögen kein Problem.

Ich neige ein wenig dazu, im Bild oben den Lösungsweg zu suchen.

Oder es autostartet ein termux:boot script, und zieht alle Einstellungen gerade.

Weniger invasiv wäre termux (wenn es denn klappt). Maximal wirksam der Weg über root. Aber s’ist halt kein 50€ Phone von Ebay. Eine gebrickte Tafel will ich nicht erklären müssen.

Schraube locker

Der LfDI hat hier, sollte man meinen, klar genug ausgeführt, dass MS in der Schule nichts verloren hat. Den Rest lasse ich Andi erzählen, der dazu eine Geschichte verfasst hat:

… oder diese frei erfundene Geschichte:

Man stelle sich vor: Ein Schraubenlieferant liefert nicht, wie vereinbart, Schrauben mit metrischem Gewinde aus rostfreiem Stahl versehen mit einem Sechskant-Kopf sondern Kreuzschlitz-Kopf, Alu und Inch-Gewinde. Nach Reklamation erfolgt die Lieferung tatsächlich mit dem passenden Kopf, allerdings passen weder metrische Muttern noch werden die erforderlichen Festigkeitswerte erreicht.

Eine kundenfinanzierte Abteilung wird gegründet, um dem Hersteller nachzuweisen, dass seine Schrauben nicht den Vereinbarungen entsprechen. Der Hersteller gelobt Besserung (selbstverständlich ist der Kunde König!) und macht sich an die Herstellung der nächsten Schraubenlieferung. Diese erfüllt tatsächlich wieder Teilaspekte der Kundenwünsche, die Schrauben weisen nun aber u.a. ein Linksgewinde auf.

Eine Abteilung gut bezahlter Ingenieure im Bundesamt für die Herstellung von Schrauben erarbeitet nun Anleitungen, wie durch aufwändige mechanische Nachbearbeitung der gelieferten Schrauben die erwünschte Funktionalität halbwegs – und zumindest für die letzte erfolgte Schraubenlieferung – hergestellt werden kann. Allerdings stellt sich bei der darauf folgenden Lieferung heraus, dass wieder etwas anderes geändert wurde, die Anleitung komplett überarbeit wurde und Änderungen nur mehr mit Spezialmaschinen durchführbar sind.

Um etwas abzukürzen: Das beschriebene Szenario zieht sich in verschiedenen Varianten über bald Jahrzehnte hin, der Einkauf ’schwört‘ weiterhin auf den Hersteller (THE MARKETLEADER!)  und sucht nicht ernsthaft nach Alternativen, sondern verbrennt lieber Geld, das bei fähigem  Management längst für eine eigene und zuverlässige Schraubenfabrik gereicht hätte.

Jahre (Jahrzehnte?!) vergehen.

Irgendwann wird es dem Kunden dann doch zu bunt und er führt dem Lieferanten klipp und klar vor Augen, was die zu erfüllenden Anforderungen an die Schrauben sind (auch dafür  wurden wieder einige sehr gut bezahlte ‚Leistungsträger‘ in Amt und Würden eingestellt). Kunde (insbesondere der Einkauf) und Lieferant loben beide die ausgesprochen gute  Zusammenarbeit, und der Lieferant streicht in großflächigen Anzeigen die Relevanz der Kundenwünsche für das Schrauben-Unternehmen heraus.

Dann kommt die Lieferung.

Und?

Kein Kopf. Kein Schraubenkopf.

Zum ersten mal macht die Unternehmensleitung des Kunden ernsthafte Anstalten, sich nach einem anderen Schraubenlieferanten bzw. der eigenen, passgenauen Herstellung von  Schrauben aus vorhandenen Halbzeugen, umzusehen.

Daraufhin, (wie beschrieben, nach bald Jahrzehnten der „Reklamation“), gibt der  Schraubenlieferant das Versprechen, alles zur vollsten Zufriedenheit und nach Wunsch des  Kunden zu liefern. (Die letzte Lieferung war nur ein Missgeschick, blöd gelaufen, soll nicht  wieder vorkommen, kann ja mal passieren, aber jetzt habe man alles im Griff.)

Wir wissen nicht, ob sich die Entscheider der Unternehmensleitung weiter wie ein Tanzbär am Nasenring vom Schraubenhersteller vorführen lassen. Das wird die Zukunft zeigen. Allein der Einkauf hat sich schon erklärt: Mit dem attraktiven Angebot des Schraubenlieferanten seien ja wieder alle Möglichkeiten offen und: das ist ja eine tolle Sache.

[ CC BY SA ] A. Mundt

Is it dead, Jim?

Wenn ich das Rauschen im Mailwald gerade richtig interpretiere, hat der LfDI in Baden-Württemberg MSO365 einen kräftigen Schubs in Richtung Klippe gegeben.

Das wäre längst überfällig und absolut notwendig, wenn Grundrechtsbindung mehr sein soll als nur hohles, leeres Wort.

Leider sind zum aktuellen Zeitpunkt keine Details veröffentlicht – aber die sollten dann ja zeitnah kommen.

Update 11.07.2020

Ich hab mich wohl zu früh gefreut. Meiner Wahrnehmung nach, ist Datenschutz nur eine Frage des „wordings“. Wirft mensch mit genug juridischer Phrasologie nach konkreter Technik, dann geht plötzlich doch alles.

Der Bildungssektor entwickelt für sich seine eigene Weltraumtheorie.

Insights

Moodle 3.8 lieferte hier ein KI Modell mit aus, das im Rahmen des Updates via CLI dafür sorgte, dass alle Kursleiter unfreiwillig erfahren durften, dass ihre SuS schon länger nicht mehr im Kursraum waren. So etwas will man als Lehrkraft ja gar nicht wissen 😉

Weil die Datenschutzerklärung des KvFG ausdrücklich auf Profiling eingeht, musste ich den richtigen Schalter finden – und denke inzwischen, dass ich den auch gefunden habe.

Deaktiviert man die Modelle via Aktionen nur auf deren Überblicksseite im Bereich Analytics-Modelle, dann scheint Moodle im Zuge von Updates diese Einstellung zu vergessen, sofern diese über CLI vorgenommen werden … und wirft mit Mails nach den Kursraumleitungen. Die sind dann irritiert. Will man ja nicht.

Also knipst man das Analytics Modul komplett weg. Das findet man als Admin im Backend unter Zusatzoptionen

… und dort ziemlich weit unten auf der Seite. Eine Suche im Backend nach enableanalytics hilft natürlich auch.

Häkchen raus – und dann ist hoffentlich mehr Ruhe im Karton.

Ob das den Fall nun endgültig erledigt erfahre ich spätestens im Zuge des nächsten Moodle-Updates. Bis dahin muss ich mit den Anfragen der LuL zu der Mailflut leben, die denken, ich persönlich hätte sie angemailt. Aber das ist ein übliches Missverständnis im Kontext allgemeiner Medienkompetenz.

Volle Spackung?

Die Landeszentrale für politische Bildung hat eine Publikation zum Thema Medien online. Zwar schmückt man das Titelblatt noch mit einem Fragezeichen (eine Idee, die ich hier gleich aufgreife) aber im Heft findet sich eine lange Empfehlungsstrecke für Dienste von Dritten – darunter Padlet, um das es (weil es das bekannteste Tool sein dürfte) hier ausführlicher gehen soll.

Eine Analyse mit Webkoll zeigt die Problemstellen des Dienstes auf:

  • Der Dienstleister hat seinen Sitz in den USA
  • Padlet setzt 10 eigene Cookies – darunter zwei, die erst im Jahr 2069 verfallen und einer, der im Jahr 2042 verfällt
  • Padlet setzt 4 Cookies von Drittparteien, von denen 3 einen Monat gültig sind
  • 54 Anfragen gehen schon beim Aufruf der Seite an Drittdienste – darunter Amazon, Apple (iTunes), Cloudflare, Cloudfront, Google (auch Google Analytics und Doubleclick), Twitter und Quantserv, die so zumindest Kenntnis von der IP des Aufrufenden erhalten

Dass Google Analytics mit IP Anonymisierung eingesetzt wird spielt schon keine Rolle mehr, weil die vielen Drittdienste zur Datenquelle für Padlet werden dürfen:

We may also obtain information, including personal information, from third-party sources to update or supplement the information you provided or we collected automatically. This may include aggregated anonymous information or certain personal information that may be provided to us. [1]

Dazu kommt: Weitere Dienste – z.B. von Youtube, Vimeo und Freunden – werden bei der Arbeit mit Padlet in den meisten Fällen genutzt, weil in der Einbindung von Drittdiensten gerade der Witz von Padlet liegt. Es ist eine Art von Collagedienstleister. Die Zahl der Tracker und Datenkraken explodiert.

Vor diesem Hintergrund kann man mit Fug und Recht behaupten: Keine Lehrkraft – und erst Recht kein Schüler – hat da noch den Überblick über die Datenflüsse oder könnte gar seine Rechte aus der DSGVO durchsetzen.

Dass es auch keinen Dritten gibt, der die Angaben von Padlet und der vielen Dritten prüft und zertifiziert – das wäre eine der Voraussetzungen dafür (ISO 27001 und ISO 27018), dass eine Schule einen Vertrag zur DViA mit Padlet abschließen kann – rundet das Bild ab.

Vor diesem Hintergrund ist es mir ein Rätsel, wie eine staatliche Schule die Vorgaben des KM zum Datenschutz an Schulen erfüllen will, sollte sie Padlet nutzen.

Dass diese Probleme in den hier betrachteten Beiträgen der Seiten 8 bis 18 im Heft der Landeszentrale nicht einmal am Rande thematisiert werden macht deutlich: Es geht dem Autor nicht um die Schüler/innen und deren Grundrechte. Es geht um Digitalisierung first. Das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung wird der Oberflächlichkeit geopfert. Hauptsache man ist mit dabei und cool. Gibt es da eigentliche eine Redaktion, die die Inhalte vor der Veröffentlichung inhaltlich prüft – oder korrigieren die nur die Kommasetzung?

Politische Bildung sieht für mich anders aus.

PS

Ein Einzelfall? Mitnichten! Empfohlen wird auch

Popplet

  • Sitz des Dienstleisters: USA
  • 1 Cookie von Dritten
  • 56 Anfragen an Dritte

Kahoot

  • Sitz des Dienstleister: USA
  • 12 Cookies, davon 5 von Dritten
  • 42 Anfragen an Dritte

Scribblemaps

  • Sitz des Dienstleisters: USA
  • 7 Cookies
  • 7 Anfragen an Dritte

Thinglink

  • Sitz des Dienstleisters: Irland
  • 20 Cookies, davon 6 von Dritten
  • 120 Anfragen an Dritte

Easelly

  • Sitz des Dienstleisters: USA
  • 13 Cookies, davon 5 von Dritten
  • 108 Anfragen an Dritte

usw usw. Ein Datenschutzmassaker.

Update 05.12.19

Zwei Runden Mails später wird nun eine Art von Disclaimer geplant, der die Kolleg/innen auf die rechtliche Situation und ihre Pflichten hinweisen soll. Die Zahl der Menschen auf CC hat sich ebenfalls erhöht – wir klettern gemeinsam die Behördenleiter nach oben. Schön. Dann sind wenigstens alle informiert und keiner kann sagen, er habe nichts gewusst.

Einsicht in eigene Fehler ist jedoch aus meiner Sicht noch nicht vorhanden. Da wird z.B. weiter vom einem Prüfverfahren durch Lehrer/innen geschrieben – als wären die in der Lage die technische Analyse zu leisten. Sieht man ja, dass sie das nicht waren.

Wo die Einsicht fehlt, ist auch eine Verfahrensänderung noch fern. Noch schreibe nur ich selbst davon, dass Publikationen zu Drittdiensten von technisch und rechtlich geschulten Fachkräften gesichtet werden müssten, dass der Fehler im Prüfverfahren selbst liegt, wenn die Ergebnisse so aussehen wie hier.

Mal sehen. Wenn alles gut läuft, dann kommt doch mehr dabei heraus als ein Hinweisschild auf der Webseite von P&U mit den Inhalt „Der Schutz Ihrer Daten ist uns wichtig!“

Hier kommt die Sonne …

1 – 2 – 3 … 9 – aus! [1] Will man im Neubau einen Film schauen, dann braucht man nicht nur einen windstillen Tag (damit die Jalousien unten bleiben), sondern möglichst auch noch einen trüben. Oder man hilft sich gegen die Sonne mit Postern und Tesa.

Was wir bräuchten wären Architekten, die schon in der Bauphase nicht nur hübsch denken (Jalousien sind schön! Helle Rollos sind schön!) und über das Zuhören reden, sondern das, was man ihnen sagt, dann auch umsetzen: Innenverdunkelung!

Message

Die Verbreitung von WhatsApp (WA) an Schulen liegt bei geschätzt 95%. Fast alle Kinder haben es auf ihren Smartphones – und wenn nicht, dann liegen sie ihren Eltern im Ohr, bis es dann doch da drauf ist. Die Kollegen haben es meist auch. Also nutzen sie es – trotz kultusministerialem Veto – für unterrichtliche Belange. Die 5% einer Klasse, die kein WA haben, gucken blöd in die Röhre. Beschweren tun sie sich aber nicht. Die Eltern auch nicht. Warum auch immer.

Ich überlege mir nun seit einiger Zeit, ob ich nicht einen XMPP oder evtl. auch einen Matrix Server für die Schule hochziehen sollte, zögere aber da, weil ich den Betreuungsaufwand bei einem oft zickigen Publikum nicht abschätzen kann und weil ich auch befürchte, dass wir in einem Mobbingfall dann ziemlich dumm ausschauen könnten: Wir hätten zwar die Plattform gestellt, kämen aber nicht an die Beweise ran, weil die verschlüsselt sind. An der Fürsorgepflicht ändern tut sich nix, nur an der Möglichkeit, dieser nachzukommen. Blöd.

Andere Lösungen habe ich mir ebenfalls angesehen: Zulip sah ganz nett aus, würde auch das Verschlüsselungsproblem mangels Fähigkeiten erledigen – hat aber einen zu wenig schicken und zu wenig potenten Client für Smartphones und würde schon deswegen durchfallen. Mattermost wäre auch eine Möglichkeit, ich will aber nicht meine User händisch pflegen, sondern LDAPs nutzen können, ohne gleich die dann geforderten Mengen Geld auf den Tisch zu werfen. Und Rocketchat … sieht mir einfach zu selbstgestrickt aus; ich erkenne da keine Linie im Softwarestack.

Die Softwareseite ist schon bei Matrix schwer zu blicken für normale User. Dafür scheint das, was bei einer Installation an Bord rollt, aber gut zu überschauen. XMPP mit Prosody wäre die sauberste Lösung – von der Software her, nicht vom Handling derselben.

Im Kreis drehen für Fortgeschrittene.

Vermutlich zerbreche ich mir umsonst den Kopf. Ein solches System nutzen dann so wenige, dass ich allein zeitlich mehr in Updates und Systempflege stecke, als alle SuS und LuL zusammen in die Nutzung. Ich seh das ja schon bei Etherpad, Moodle, nextCloud mit Collabora etc. pp. bei uns im Netz. Manche Kollegen verweisen ernsthaft darauf, dass Ella nicht gekommen sei. Dabei haben die alles aus Ella schon in der Schule. Seit Jahren.

Digitalisierung an Schulen mit Datenschutz zusammen zu bekommen und dabei die Zielgruppe mitzunehmen ist ein echt dickes Brett.

Fremdschämen

Muss mich gerade aufregen über diesen Artikel bei N4T Ich weiß nicht, wie der hier geschilderte Unterricht wirklich ablief, aber die Schilderung macht mich kirre.

Mit ihren Tablets können sich die Jugendlichen interaktiv am Unterricht beteiligen.

Äh – ja? Alle sitzen in einem Raum. Was gibt es da bitte für Interaktivitätsbeschränkungen? Ich kann das mit meinen SuS sogar in 3D! Ne – warte. 4D ginge auch, weil sich die Schüler/innen sogar noch gegenseitig anfassen könnten. Oder 5D, weil sie nach Sport gegenseitig zu riechen sind? Zumindest kommt durch die Konzentration auf den Mensch, so wie er sich gibt, unvermittelt durch einen Bildschirm, nicht objektiviert, durchaus mehr „rüber“.

ruft Bilder und kleine Texte auf, die zeitgleich auf den Geräten der Schüler erscheinen

Alle SuS sehen zur gleichen Zeit das gleiche Bild und den gleichen Text – aber jeder an seinem eigenen Gerät? Gibt es einen Grund für den Einsatz individueller Bildschirme hier? Beinhaltet die Schilderung einen nachvollziehbaren Grund, warum man hier z.B. auf unterschiedliche Geschwindigkeiten bei den Lernern setzen müsste? Nein. Das geschilderte setting ist die Intro für

lässt … plötzlich Bilder von Babys auf den Tablets erscheinen

„Erscheinen“. Cool. Fortgeschrittene Technik ist eben von Magie nicht zu unterscheiden. Im Ernst: Das ginge auch noch auf einem OHP. Folie 1: Pizza, Gurke, Salat. Folie 2: Babys. Oder man spart sich diesen Einstieg, dessen Funktion nur die Erinnerung daran ist, dass es um Menschen als Ware geht und steigt direkt mit dem eigentlichen Thema ein: Designer Babys. Ein Artikel zum aktuellen Fall – ist das nicht kognitive Aktivierung genug? Nun ja. Dann täte es eine Karikatur zum Thema auch. Die hätte dann noch methodisch einen Anspruch, der über „ich will Pizza“ hinausgeht. Aber „es wird ein bisschen diskutiert“ zu Pizza oder Salat. Ist ja auch toll. Und relevant.

Die SuS können dann über „ihr Baby“ abstimmen.

Die anonyme Auswertung erfolgt sekundenschnell.

Schade. Die Bezugnahme auf die Wünsche der anderen SuS ist so unmöglich. Gibt es auch einen Knopf für „ich verweigere die Antwort, weil ich das ganze setting schon moralisch abstoßend finde“? Wenn nicht, dann sag ich das eher in einem Unterricht, der gleich von Anfang an ohne push the button, click the like auskommt, als hier, den Blick auf ein eigenes Tablet gerichtet, von den anderen im Zimmer somit teilweise isoliert.

Schon ist der Lehrer beim Thema Genmanipulation und «Designer-Babys». Eine ernste Diskussion setzt ein.

Echt? Der Lehrer ist da? Und die SuS? Die sind bis hier her: Informationsfrei. Gleich nach Pizza und blaue Augen. Bin begeistert. So muss die Zukunft aussehen. Wir diskutieren aus dem Bauch raus, weil an Emotionen fehlt es heute.

Präkonzepte der SuS erfassen geht so. Diskussion geht anders.

Weiter geht’s:

Im Unterricht aber auch von zu Hause können die Schüler auf Lernmaterialien zugreifen, eine Software zum Zusammenarbeiten und einen Messenger nutzen oder gemeinsam Office-Dokumente bearbeiten.

Das ist ja super, dass die SuS das können. Die bearbeiten auf dem Tablet und ohne Tastatur Text, Tabellen und Präsentationen? Die werden eher kurz bleiben, die Begründungen in der Argumentation dazu auch.

Überhaupt: Baden-Württemberg ist seiner Zeit ja um 10 Jahre voraus! Seitdem können unsere SuS, wenn die Schule ein paar mal hintereinander bei BelWü auf die richtigen Knöpfe klicken kann und die Lehrer/innen die entsprechenden Fortbildungen besuchten, das nämlich auch: Lernmaterialien abrufen, von zu Hause arbeiten, kommunizieren, gemeinsam arbeiten. Nennt sich ganz unerotisch Moodle. Gut – da geht die Arbeit dann nicht an Office-Dokumenten, sondern z.B. gemeinsam an Wikis; und die Kommunikation müsste in Moodle-Chats abgebildet werden, wenn die Foren nicht reichen, aber im Prinzip wäre alles da. Am KvFG ginge sogar die gemeinsame Arbeit an allen denkbaren Office-Dokumenten Dank Collabora Office und nextCloud mit integrierter Chatfunktion. Aber ich komme vom Thema ab.

Im Artikel geht es im heute üblichen Duktus weiter. Sogar das hier fällt noch

Lehrkräfte … sich künftig häufiger als Moderator, Anreger und Berater verstehen.

Empirie aus der Unterrichtsforschung ist hier also ebenso Wurst wie der aus den Zeilen triefende unkritische Kommerz sein Brot. Um es kurz zu machen: Ich habe selten eine solche Ansammlung von Maßnahmen auf Sichtstruktur lesen dürfen, die eben eines nicht leistet: den Mehrwert digitaler Medien zu zeigen. Was also ist der Sinn des Artikels?

Ich fürchte: Namedropping!

Die üblichen Verdächtigen mit ihren heute hippen Lösungen sollen genannt werden. Eine andere Funktion als Werbung kann ich mir schwer vorstellen, denn auch die anderen im Artikel genannten Beispiele zur konkreten Unterrichtspraxis sind die, die ich seit 1999 hörte, lange Zeit auf Fortbildungen zeigte, mit den Lehrkräften dort erarbeitete und noch heute direkt im eigenen Unterricht nutze. Nur der technische Wandel schlägt sich nieder: Monsterdisplays mit Tabletfunktionalität ersetzen inzwischen die Beamer (positiv, weil meist einfacher zu bedienen); Tablets ersetzen Laptops (negativ, weil die Tastatur fehlt und das komplette jeweilige Werbeökosystem inklusive Datenabfluss mitgekauft wird).  So wundert mich auch nicht, dass direkt neben dem Artikel der Shop verlinkt ist. Und Facebook und Google werden über entsprechende JavaScript-Einbindungen mitversorgt.

So, wie der konkrete Unterricht im Artikel geschildert wird, geht es wohl kaum voran, sondern nur schneller im ewig gleichen Kreis herum.

Moodle App

Lange Zeit war die Moodle App IMHO nicht wirklich zu gebrauchen und auch heute wundere ich mich bei deren Start über die Zeit, die sie braucht. Aber immerhin: jetzt läuft sie wesentlich runder und ich setze sie an allen Ecken und Enden im Schulnetz ein.

Inzwischen: Empfehlung! Hier gibt es sie auch als APK.

Die App macht den Alltag leichter – vor allem auch dann, wenn man im Unterricht z.B. eine Schülerarbeit fotografiert und dann im Moodle für alle ablegen will. Das geht so echt flotter. Noch schneller ist nur nextCloud, dafür dann aber nicht so sortiert und bei Weitem nicht so didaktisch integrierbar.

Alle Bilder von meinem Nexus4. Das ist halt noch ein Handy und kein Phablet. Deswegen sind die BIldchen eher klein. Ein im übrigen schönes Gerät; klein und handlich, ausreichend schnell und Dank LineageOS und FDroid aktuell. Nur die Kamera am Neuxs4 taugt nicht viel. Die braucht viel Licht, um erträgliche Bildchen zu machen.

Sommerschule

Die gesamte letzte Woche war „Sommerschule“ auf dem Höhnisch. In Mathe. Von 8 bis 12. Ich bin da noch gespalten, was diese Idee angeht.

Einerseits ist eine Bleiche, bevor es „richtig los geht“, gerade in Mathe, nicht schädlich und hilft denen, die in diesem Fach beim Übergang in die Oberstufe sonst Probleme hätten. Auch brauchen ältere Kinder weniger Ferien als jüngere.

Andererseits öffnet dies eine Tür in Richtung Nachhilfe durch Lehrkräfte, die von einigen SuS fest in ihre Arbeitshaltung während des Jahres eingepreist werden wird. Dazu kommt, dass die SuS es hier ja wieder mit der ihnen vertrauten Schulsituation zu tun haben. Die gleichen Pauker, die gleichen Räume. Das könnte ein Stück der Motivation wegnehmen bzw. erleichtert den Rückfall in die im Unterricht schon gezeigte Haltung.

Mal sehen, was die Kolleg/innen berichten.