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Volle Spackung?

Die Landeszentrale für politische Bildung hat eine Publikation zum Thema Medien online. Zwar schmückt man das Titelblatt noch mit einem Fragezeichen (eine Idee, die ich hier gleich aufgreife) aber im Heft findet sich eine lange Empfehlungsstrecke für Dienste von Dritten – darunter Padlet, um das es (weil es das bekannteste Tool sein dürfte) hier ausführlicher gehen soll.

Eine Analyse mit Webkoll zeigt die Problemstellen des Dienstes auf:

  • Der Dienstleister hat seinen Sitz in den USA
  • Padlet setzt 10 eigene Cookies – darunter zwei, die erst im Jahr 2069 verfallen und einer, der im Jahr 2042 verfällt
  • Padlet setzt 4 Cookies von Drittparteien, von denen 3 einen Monat gültig sind
  • 54 Anfragen gehen schon beim Aufruf der Seite an Drittdienste – darunter Amazon, Apple (iTunes), Cloudflare, Cloudfront, Google (auch Google Analytics und Doubleclick), Twitter und Quantserv, die so zumindest Kenntnis von der IP des Aufrufenden erhalten

Dass Google Analytics mit IP Anonymisierung eingesetzt wird spielt schon keine Rolle mehr, weil die vielen Drittdienste zur Datenquelle für Padlet werden dürfen:

We may also obtain information, including personal information, from third-party sources to update or supplement the information you provided or we collected automatically. This may include aggregated anonymous information or certain personal information that may be provided to us. [1]

Dazu kommt: Weitere Dienste – z.B. von Youtube, Vimeo und Freunden – werden bei der Arbeit mit Padlet in den meisten Fällen genutzt, weil in der Einbindung von Drittdiensten gerade der Witz von Padlet liegt. Es ist eine Art von Collagedienstleister. Die Zahl der Tracker und Datenkraken explodiert.

Vor diesem Hintergrund kann man mit Fug und Recht behaupten: Keine Lehrkraft – und erst Recht kein Schüler – hat da noch den Überblick über die Datenflüsse oder könnte gar seine Rechte aus der DSGVO durchsetzen.

Dass es auch keinen Dritten gibt, der die Angaben von Padlet und der vielen Dritten prüft und zertifiziert – das wäre eine der Voraussetzungen dafür (ISO 27001 und ISO 27018), dass eine Schule einen Vertrag zur DViA mit Padlet abschließen kann – rundet das Bild ab.

Vor diesem Hintergrund ist es mir ein Rätsel, wie eine staatliche Schule die Vorgaben des KM zum Datenschutz an Schulen erfüllen will, sollte sie Padlet nutzen.

Dass diese Probleme in den hier betrachteten Beiträgen der Seiten 8 bis 18 im Heft der Landeszentrale nicht einmal am Rande thematisiert werden macht deutlich: Es geht dem Autor nicht um die Schüler/innen und deren Grundrechte. Es geht um Digitalisierung first. Das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung wird der Oberflächlichkeit geopfert. Hauptsache man ist mit dabei und cool. Gibt es da eigentliche eine Redaktion, die die Inhalte vor der Veröffentlichung inhaltlich prüft – oder korrigieren die nur die Kommasetzung?

Politische Bildung sieht für mich anders aus.

PS

Ein Einzelfall? Mitnichten! Empfohlen wird auch

Popplet

  • Sitz des Dienstleisters: USA
  • 1 Cookie von Dritten
  • 56 Anfragen an Dritte

Kahoot

  • Sitz des Dienstleister: USA
  • 12 Cookies, davon 5 von Dritten
  • 42 Anfragen an Dritte

Scribblemaps

  • Sitz des Dienstleisters: USA
  • 7 Cookies
  • 7 Anfragen an Dritte

Thinglink

  • Sitz des Dienstleisters: Irland
  • 20 Cookies, davon 6 von Dritten
  • 120 Anfragen an Dritte

Easelly

  • Sitz des Dienstleisters: USA
  • 13 Cookies, davon 5 von Dritten
  • 108 Anfragen an Dritte

usw usw. Ein Datenschutzmassaker.

Update 05.12.19

Zwei Runden Mails später wird nun eine Art von Disclaimer geplant, der die Kolleg/innen auf die rechtliche Situation und ihre Pflichten hinweisen soll. Die Zahl der Menschen auf CC hat sich ebenfalls erhöht – wir klettern gemeinsam die Behördenleiter nach oben. Schön. Dann sind wenigstens alle informiert und keiner kann sagen, er habe nichts gewusst.

Einsicht in eigene Fehler ist jedoch aus meiner Sicht noch nicht vorhanden. Da wird z.B. weiter vom einem Prüfverfahren durch Lehrer/innen geschrieben – als wären die in der Lage die technische Analyse zu leisten. Sieht man ja, dass sie das nicht waren.

Wo die Einsicht fehlt, ist auch eine Verfahrensänderung noch fern. Noch schreibe nur ich selbst davon, dass Publikationen zu Drittdiensten von technisch und rechtlich geschulten Fachkräften gesichtet werden müssten, dass der Fehler im Prüfverfahren selbst liegt, wenn die Ergebnisse so aussehen wie hier.

Mal sehen. Wenn alles gut läuft, dann kommt doch mehr dabei heraus als ein Hinweisschild auf der Webseite von P&U mit den Inhalt „Der Schutz Ihrer Daten ist uns wichtig!“

Satt

Es kommt der Punkt, an dem man sich überlegen muss, ob die eigenen Ressourcen richtig eingesetzt sind, ob sich das Projekt überhaupt lohnt.

Ich hab in den letzten Jahren sehr viel gelernt – über Netzwerktechnik, über die Administration von Servern und VMs, über Clients in großen Netzen und über Mailserver und andere serverbasierte Software. Techniken und Abläufe, die ich vor 10 Jahren nicht einmal hätte fehlerfrei aussprechen können, hab ich nun relativ ordentlich „drauf“. Ich rolle Mail- und Webserver inzwischen zügig aus, weiß zunehmend selbst, was ich warum tu, erkenne und behebe die meisten Bugs direkt selbst, kann mich auf Feinheiten konzentrieren.

Der nächste Entwicklungsschritt ist nicht, unter weiterem Totalverzicht auf Freizeit noch eine Generation an Tech für Dritte auszurollen, die das Angebot weder wollen noch schätzen. Ich sollte vielmehr verstärkt in die Entwicklung einsteigen, meine Bash-, PHP- und Python-Kenntnisse ausbauen, mein rudimentäres C tütteln. Solche Dinge. Das bringt mir mehr – und am Ende auch denen, die den dauernden Auseinandersetzungen um offene Netze, FOSS, Datenschutz und Bildung etwas abgewinnen können.

Ich sollte meine eigenen und die mir von Freunden anvertrauten Netze weiter konsolidieren, vermehrt die dort genutzten und gehosteten Dienste absichern, viel mehr Krypto ausrollen. Da kommt dann vielleicht wieder was zurück, was sich von Gemaule, Chaos und Wurstigkeit unterscheidet. Privatsphäre ist ein Elitenprojekt. Die Menge liebt, was für den Marktplatz taugt.

Irgendwo unterwegs scheine ich vergessen zu haben, dass es in einer Demokratie nicht um Wahrheit geht, sondern um Mehrheit. Wenn eine Generation an unkritischen Spacken unbedingt ihre Daten – und die Daten ihrer Kinder – mit dem Segen des Staates und der Öffentlichkeit Dritten zum Fraß vorwerfen will …  muss ich es einsehen: Die paar Pinguine werden die Demokratie und das Menschenrecht nicht retten können. Wir sind zu wenige. Uns geht die Luft aus. Der Arbeitsaufwand wächst nicht – er explodiert. Der Trend geht auch bei Software in Richtung autoritäre Systeme.

Ich muss zeitnah meine Exitstrategie klar haben. Der Punkt, an dem ich es lassen muss und dann abschalte könnte jederzeit kommen. Es macht mich schon fast nicht mehr traurig das zu schreiben: ich hab es satt.

Was vom Jahre übrig bleibt

Ein Sammlung der Dinge, die geschahen, aber nicht haben dokumentiert werden können, weil zum jeweiligen Zeitpunkt keine Zeit war.

Und dann wäre da noch:

Ich schätze, dass es nächste Woche in die Vollen geht.

Digitaler Schulalltag

Außen

Ich war gestern und heute zur Unterrichtsbeobachtung an einer Schule, an der Unterricht mit iPads stattfand, wobei die SuS in der jeweils identischen Stunde selbst wählen konnten, ob sie diese nutzen, oder auf Poster als Präsentationslfäche zurückgreifen wollten. Zu erarbeiten war das Institutionengefüge der EU. Hierzu war ein Schaubild zu erstellen, das den Gesetzgebungsprozess wiedergab. Mir fiel auf, dass

  • viel Arbeitszeit in den SuS-Gruppen für die Anhübschung der grafischen Lösung investiert wurde; teilweise kannten sich nicht alle SuS mit der genutzten App in dem Maß aus, dass sie sich selbst helfen konnten, die Nebensitzer gaben notwendige Tipps zum Programmgebrauch.
  • der Austausch in den SuS-Gruppen, die als Produkt das Poster wählten, stärker auf sach-fachliche Korrektheit fokusierte und die Ergebnisse insgesamt vollständiger und komplexer waren. Der Austausch in den iPad Gruppen war technischerer Natur.
  • Kriterien für gute Schaubilder keine Rolle spielten und nur bei den Postern einmal kurz aufblitzten (Leserlichkeit).
  • auch Apple-TV technische Probleme aufwirft, so dass Präsentationen via Beamer nicht sofort beginnen können.
  • die SuS in den iPad-Gruppen viel häufiger komplett alleine arbeiteten, sobald ihre technischen Probleme gelöst waren oder sie keine hatten.
  • bei der Auswertung Inhaltsfehler bei den iPad-Lösungen nicht thematisiert wurden – aber bei den Postern durchaus.
  • die Korrektur an den Postern direkt erfolgte und bei den iPad-Lösungen unterblieb bzw. auf „nachher“ verschoben wurde.

Vor dem Hintergrund dessen, was ich sah, kann ich als Positiv für die iPad Gruppen festhalten: gute Leserlichkeit auch inhaltlich schlechter grafischer Lösungen; keine Notwendigkeit für Programmschulung durch die Lehrkraft aber dafür gegenseitige Unterstützung der SuS bei technischen Problemen. Auch der Wechsel der HDMI Quelle am Beamer konnte an die SuS delegiert werden (bzw. musste an diese delegiert werden, weil den L evtl. das Know-How fehlte).

Andererseits förderte die computergraphische Darstellung das Übersehen von Fehlern und betonte die sachfach-fremde kriterienfreie Würdigung von Oberflächlichkeit („schöne Darstellung“). In keinem Fall wurde hier durch den Einsatz von iPads eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Arbeitsauftrag erreicht, was sich auch in der Bewertungs-/Beurteilungsphase (Demokratiedefizit?) zeigte.

Die Zahl der vertanen Chancen war Legion: Die L konnte nicht angeben, ob MDM zum Einsatz kommt und mit welchem Anbieter welcher Apps Verträge zur DViA vorliegen oder nicht vorliegen. Das Thema Datenschutz war keines, Risiken waren weder bekannt noch schienen diese je in dieser Institution thematisiert worden zu sein. Dafür wurde die Möglichkeit zur Noteneingabe am eigenen iPad positiv hervorgehoben, das nicht mit Passwort oder Pin gesichert war und ein paar mal über längere Zeit direkt vor den S in der ersten Reihe unbeaufsichtigt auf dem Pult lag. Eine Cloudlösung für den Austausch von Arbeitsergebnissen der S (oder ein Moodle) hat die Schule nicht (vielleicht sollte man darüber eher froh sein – ein Datenleck weniger). Die Posterlösungen wurden nicht fotografisch für alle S dokumentiert, obwohl sich diese am Ende als die korrigierten und insgesamt ja richtigeren Versionen herausstellten.

Summa: Viel Luft nach oben beim Schulalltag mit iPads.

Innen

Und dann gab es da (an einer anderen mir vertrauten Institution) eine Arbeitsgruppe Soziale Medien, die sich als Arbeitsgruppe Smartphones entpuppte.

Die Arbeitsgruppe positionierte sich recht eindeutig so, dass in Klasse 5 und 6 kein Einsatz von Smartphones im Unterricht erfolgen solle, keine Smartphones auf Ausflüge mitgenommen werden und auch in den Pausen etc. auf dem Schulgelände verboten sein sollten.

Die Begründungen verliefen im Einzelnen entlang der Linie mediale Dauerberieselung bzw Sucht sowie Soziale Hetzwerke bzw. Gefahren durch Cyber Grooming. Datenschutzaspekte spielten eine ebenso untergeordnete Rolle wie jegliche selbstkritische Reflektion eigenen Verhaltens oder eine Einordnung der Taschenwanzen in den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Überwachung, Grundrechteabbau und hin zu autoritären Systemen.

Ich kann es ein Stück weit verstehen. Es ist eine auf den ersten Blick pragmatische Lösung für zumindest einen Teil der vielen Probleme mit Smartphones, diese in den untersten Stufen schlicht aus der Schule zu verbannen. Cyber-Mobbing bleibt so weitergehend im privaten Umfeld und die Pausen werden eher für Bewegung und Kommunikation genutzt als heute.

Nur fürchte ich, wird dies gerade in der Prägungsphase im Umgang mit dem Faustkeil nicht dazu führen, dass anschließend der Gebrauch dieser Werkzeuge reflektierter erfolgt. Vielmehr bleibt die notwendige Erziehungsarbeit bei den Eltern hängen – und da bleibt sie meiner Wahrnehmung nach liegen. Die bei den L schon fehlende selbstkritische Reflektion eigener Nutzungsgewohnheiten kommt hier verstärkt zum technischen Unverstand hinzu.

Zumindest über die technische Seite könnten im Rahmen der Schule stärker – nach intensiver Fortbildung – aufgeklärt werden. Z.B. könnte die Institution Schule Smartphones in naturwissenschaftlichen Fächern wie auch in Projekten oder in Blockunterrichts-Einheiten analysieren (im Sinne von zerlegen, Aufbau kennen lernen, in ihrem Verhalten bezüglich Datenweitergabe beobachten etc.) und die gewonnenen Erkenntnisse dann aktiv nutzen – sprich: einfache Smartphones selbst bauen, ein freies Android selbst kompilieren und flashen, das installierte Betriebssystem gegenüber Datenabflüssen so weit es geht mit einer Firewall absichern etc..

Die durch die Analyse gewonnenen Einsichten könnten zu Qualitätskriterien für Apps werden und die dann ausgewählten Apps könnten aus F-Droid oder direkt aus dem Git installiert und mit der schulischen Cloud (Kalender, Adressbuch, Dateiaustausch, Lernplattform, Messenger etc.) verdongelt werden.

Die SuS hätten am Ende des Prozesses die Erfahrung gemacht, dass Bildung dazu beiträgt, ein selbstbestimmteres Leben zu führen.

Aber Verbote gehen natürlich auch.

Hier kommt die Sonne …

1 – 2 – 3 … 9 – aus! [1] Will man im Neubau einen Film schauen, dann braucht man nicht nur einen windstillen Tag (damit die Jalousien unten bleiben), sondern möglichst auch noch einen trüben. Oder man hilft sich gegen die Sonne mit Postern und Tesa.

Was wir bräuchten wären Architekten, die schon in der Bauphase nicht nur hübsch denken (Jalousien sind schön! Helle Rollos sind schön!) und über das Zuhören reden, sondern das, was man ihnen sagt, dann auch umsetzen: Innenverdunkelung!

Mattermost

Jetzt ist er also doch gelandet – der Messenger für die Schule. Was den letzten Ausschlag gab, war, dass es einige besonders Wilde gab, die sich über die üblichen „Dienstleister“ erkundigten. Die Daten unserer Schüler*innen in den Händen von kommerziellen Interessen wollte ich aber auf jeden Fall vermeiden – also musste eine Lösung her.

Frank war glücklicherweise gleich mit an Bord. Er wollte für seine Schule schon seit längerer Zeit einen Messenger und hatte – wie ich auch – mit Synapse / Matrix und Mattermost experimentiert.

Die Wahl fiel am Ende auf Mattermost. Vor allem, weil dieser eben nicht (!) die Inhalte verschlüsselt. Im Notfall kommt man als Admin so an Mobbingposts heran oder kann Bilderchen löschen, bei denen die SuS zu kreativ eigene Aufnahmen des Lehr- mit den professionellen Aufnahmen von Pornokörpern verknüpften.

Dazu kommt: die App ist einfach schicker und flutschiger als Riot. An der Front wollte ich unbedingt meine Ruhe haben.

Der Rest stimmt auch: Das Open Core Konzept verhindert allzu wilde technische Wünsche, die bei der Anmeldung angegebenen Maildomains erlauben das Sortieren in Teams (= Schulen bzw. bei uns auch reine L-Teams) und bei F-Droid hat es einen Client für die LineageOS Benutzer*innen.

Hübsch ist auch die Domain, die wir für unseren neuesten Dienst im Verbund Lehrerpost fangen konnten: schule.social! Wir waren baff, dass die noch frei war. Und Platz für ein Mastodon ist auf der VM auch noch, wenn wir mal ganz wilde Momente haben.

Jetzt ist „MM“ also da – und ob meine Schule anbeißt kann mir fast egal sein. Die S und L der anderen Schulen im Verbund werden zusammen so viel Nutzungszeit aufbringen, dass sich die Investition in meine administrativ zu verwendende Zeit am Ende „moralisch rechnet“.

Message

Die Verbreitung von WhatsApp (WA) an Schulen liegt bei geschätzt 95%. Fast alle Kinder haben es auf ihren Smartphones – und wenn nicht, dann liegen sie ihren Eltern im Ohr, bis es dann doch da drauf ist. Die Kollegen haben es meist auch. Also nutzen sie es – trotz kultusministerialem Veto – für unterrichtliche Belange. Die 5% einer Klasse, die kein WA haben, gucken blöd in die Röhre. Beschweren tun sie sich aber nicht. Die Eltern auch nicht. Warum auch immer.

Ich überlege mir nun seit einiger Zeit, ob ich nicht einen XMPP oder evtl. auch einen Matrix Server für die Schule hochziehen sollte, zögere aber da, weil ich den Betreuungsaufwand bei einem oft zickigen Publikum nicht abschätzen kann und weil ich auch befürchte, dass wir in einem Mobbingfall dann ziemlich dumm ausschauen könnten: Wir hätten zwar die Plattform gestellt, kämen aber nicht an die Beweise ran, weil die verschlüsselt sind. An der Fürsorgepflicht ändern tut sich nix, nur an der Möglichkeit, dieser nachzukommen. Blöd.

Andere Lösungen habe ich mir ebenfalls angesehen: Zulip sah ganz nett aus, würde auch das Verschlüsselungsproblem mangels Fähigkeiten erledigen – hat aber einen zu wenig schicken und zu wenig potenten Client für Smartphones und würde schon deswegen durchfallen. Mattermost wäre auch eine Möglichkeit, ich will aber nicht meine User händisch pflegen, sondern LDAPs nutzen können, ohne gleich die dann geforderten Mengen Geld auf den Tisch zu werfen. Und Rocketchat … sieht mir einfach zu selbstgestrickt aus; ich erkenne da keine Linie im Softwarestack.

Die Softwareseite ist schon bei Matrix schwer zu blicken für normale User. Dafür scheint das, was bei einer Installation an Bord rollt, aber gut zu überschauen. XMPP mit Prosody wäre die sauberste Lösung – von der Software her, nicht vom Handling derselben.

Im Kreis drehen für Fortgeschrittene.

Vermutlich zerbreche ich mir umsonst den Kopf. Ein solches System nutzen dann so wenige, dass ich allein zeitlich mehr in Updates und Systempflege stecke, als alle SuS und LuL zusammen in die Nutzung. Ich seh das ja schon bei Etherpad, Moodle, nextCloud mit Collabora etc. pp. bei uns im Netz. Manche Kollegen verweisen ernsthaft darauf, dass Ella nicht gekommen sei. Dabei haben die alles aus Ella schon in der Schule. Seit Jahren.

Digitalisierung an Schulen mit Datenschutz zusammen zu bekommen und dabei die Zielgruppe mitzunehmen ist ein echt dickes Brett.

Todo

Mal sehen, wie weit ich komme:

  • Kneipe
    • Kneipe auf aktuellere LTS Version ziehen
    • Rusty auf aktuellere LTS Version bringen
    • Rusty nextCloud – LDAP Anbindung so konfigurieren, dass die Homeverzeichnisse beim Anmelden automatisch eingebunden werden
    • VirtualBox auf Version 6 bringen
  • Scolis auf die frischeste LTS Version bringen
  • Roundcube Updates
  • WordPresse
    • WordPresse umziehen auf den neuen Server
    • WordPresse updaten und bei den Plugins aufräumen
  • nextClouds
    • nextClouds auf die jeweils neueste Version bringen (Stable statt Production)
  • Moodles
    • Moodles umziehen auf den neuen Server
    • Moodles upgraden und Anbindungen an nextClouds einrichten

Andere nennen es Ferien.

Update 03.01.2019: Ich bin durch, soweit ich das sehen kann. Mein Changelog habe ich ins KvFG Wiki gelegt, damit auch der Rest vom Fest was davon hat.

Fremdschämen

Muss mich gerade aufregen über diesen Artikel bei N4T Ich weiß nicht, wie der hier geschilderte Unterricht wirklich ablief, aber die Schilderung macht mich kirre.

Mit ihren Tablets können sich die Jugendlichen interaktiv am Unterricht beteiligen.

Äh – ja? Alle sitzen in einem Raum. Was gibt es da bitte für Interaktivitätsbeschränkungen? Ich kann das mit meinen SuS sogar in 3D! Ne – warte. 4D ginge auch, weil sich die Schüler/innen sogar noch gegenseitig anfassen könnten. Oder 5D, weil sie nach Sport gegenseitig zu riechen sind? Zumindest kommt durch die Konzentration auf den Mensch, so wie er sich gibt, unvermittelt durch einen Bildschirm, nicht objektiviert, durchaus mehr „rüber“.

ruft Bilder und kleine Texte auf, die zeitgleich auf den Geräten der Schüler erscheinen

Alle SuS sehen zur gleichen Zeit das gleiche Bild und den gleichen Text – aber jeder an seinem eigenen Gerät? Gibt es einen Grund für den Einsatz individueller Bildschirme hier? Beinhaltet die Schilderung einen nachvollziehbaren Grund, warum man hier z.B. auf unterschiedliche Geschwindigkeiten bei den Lernern setzen müsste? Nein. Das geschilderte setting ist die Intro für

lässt … plötzlich Bilder von Babys auf den Tablets erscheinen

„Erscheinen“. Cool. Fortgeschrittene Technik ist eben von Magie nicht zu unterscheiden. Im Ernst: Das ginge auch noch auf einem OHP. Folie 1: Pizza, Gurke, Salat. Folie 2: Babys. Oder man spart sich diesen Einstieg, dessen Funktion nur die Erinnerung daran ist, dass es um Menschen als Ware geht und steigt direkt mit dem eigentlichen Thema ein: Designer Babys. Ein Artikel zum aktuellen Fall – ist das nicht kognitive Aktivierung genug? Nun ja. Dann täte es eine Karikatur zum Thema auch. Die hätte dann noch methodisch einen Anspruch, der über „ich will Pizza“ hinausgeht. Aber „es wird ein bisschen diskutiert“ zu Pizza oder Salat. Ist ja auch toll. Und relevant.

Die SuS können dann über „ihr Baby“ abstimmen.

Die anonyme Auswertung erfolgt sekundenschnell.

Schade. Die Bezugnahme auf die Wünsche der anderen SuS ist so unmöglich. Gibt es auch einen Knopf für „ich verweigere die Antwort, weil ich das ganze setting schon moralisch abstoßend finde“? Wenn nicht, dann sag ich das eher in einem Unterricht, der gleich von Anfang an ohne push the button, click the like auskommt, als hier, den Blick auf ein eigenes Tablet gerichtet, von den anderen im Zimmer somit teilweise isoliert.

Schon ist der Lehrer beim Thema Genmanipulation und «Designer-Babys». Eine ernste Diskussion setzt ein.

Echt? Der Lehrer ist da? Und die SuS? Die sind bis hier her: Informationsfrei. Gleich nach Pizza und blaue Augen. Bin begeistert. So muss die Zukunft aussehen. Wir diskutieren aus dem Bauch raus, weil an Emotionen fehlt es heute.

Präkonzepte der SuS erfassen geht so. Diskussion geht anders.

Weiter geht’s:

Im Unterricht aber auch von zu Hause können die Schüler auf Lernmaterialien zugreifen, eine Software zum Zusammenarbeiten und einen Messenger nutzen oder gemeinsam Office-Dokumente bearbeiten.

Das ist ja super, dass die SuS das können. Die bearbeiten auf dem Tablet und ohne Tastatur Text, Tabellen und Präsentationen? Die werden eher kurz bleiben, die Begründungen in der Argumentation dazu auch.

Überhaupt: Baden-Württemberg ist seiner Zeit ja um 10 Jahre voraus! Seitdem können unsere SuS, wenn die Schule ein paar mal hintereinander bei BelWü auf die richtigen Knöpfe klicken kann und die Lehrer/innen die entsprechenden Fortbildungen besuchten, das nämlich auch: Lernmaterialien abrufen, von zu Hause arbeiten, kommunizieren, gemeinsam arbeiten. Nennt sich ganz unerotisch Moodle. Gut – da geht die Arbeit dann nicht an Office-Dokumenten, sondern z.B. gemeinsam an Wikis; und die Kommunikation müsste in Moodle-Chats abgebildet werden, wenn die Foren nicht reichen, aber im Prinzip wäre alles da. Am KvFG ginge sogar die gemeinsame Arbeit an allen denkbaren Office-Dokumenten Dank Collabora Office und nextCloud mit integrierter Chatfunktion. Aber ich komme vom Thema ab.

Im Artikel geht es im heute üblichen Duktus weiter. Sogar das hier fällt noch

Lehrkräfte … sich künftig häufiger als Moderator, Anreger und Berater verstehen.

Empirie aus der Unterrichtsforschung ist hier also ebenso Wurst wie der aus den Zeilen triefende unkritische Kommerz sein Brot. Um es kurz zu machen: Ich habe selten eine solche Ansammlung von Maßnahmen auf Sichtstruktur lesen dürfen, die eben eines nicht leistet: den Mehrwert digitaler Medien zu zeigen. Was also ist der Sinn des Artikels?

Ich fürchte: Namedropping!

Die üblichen Verdächtigen mit ihren heute hippen Lösungen sollen genannt werden. Eine andere Funktion als Werbung kann ich mir schwer vorstellen, denn auch die anderen im Artikel genannten Beispiele zur konkreten Unterrichtspraxis sind die, die ich seit 1999 hörte, lange Zeit auf Fortbildungen zeigte, mit den Lehrkräften dort erarbeitete und noch heute direkt im eigenen Unterricht nutze. Nur der technische Wandel schlägt sich nieder: Monsterdisplays mit Tabletfunktionalität ersetzen inzwischen die Beamer (positiv, weil meist einfacher zu bedienen); Tablets ersetzen Laptops (negativ, weil die Tastatur fehlt und das komplette jeweilige Werbeökosystem inklusive Datenabfluss mitgekauft wird).  So wundert mich auch nicht, dass direkt neben dem Artikel der Shop verlinkt ist. Und Facebook und Google werden über entsprechende JavaScript-Einbindungen mitversorgt.

So, wie der konkrete Unterricht im Artikel geschildert wird, geht es wohl kaum voran, sondern nur schneller im ewig gleichen Kreis herum.

Longpaper

Ich kam mir vor, wie in meine Schulzeit zurückversetzt. Da sitzt ein Drogenfahnder der Polizei im Raum und spricht …

Die Schilderungen haben viel mit den konkreten Erfahrungen bei der polizeilichen Arbeit zu tun, sind stark geprägt vom Schlimmsten, was Polizisten erleben müssen. Die Schilderungen beziehen sich auf verwahrloste Zimmer der Jugendlichen, Eltern mit Scheißegalhaltung, Beschaffungskriminalität, ausflippende Jugendliche und Gewalt.

Es werden Zahlen genannt. Von „mehr als 2000 Fälle im Landkreis pro Jahr“ wird gesprochen. Die online verfügbare Statistik

https://ppreutlingen.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/10/2018/04/2017-PKS-Auf-einen-Blick-PP-Gesamt.pdf

würde verdeutlichen, wie sich die Zahlen in welchem Deliktsbereich entwickeln. Gezeigt wird sie nicht.
Ebenso unterbleibt, auf die Basis der Zahlen hinzuweisen, zu erläutern, wie die Statistiken zustande kommen. Die Diskussionen um diese, die Interpretationsspielräume, die üblichen Positionen, die zumindest den anwesenden Akademikern vertraut sein dürften, werden nicht zum Thema.

So bleiben viele Fragen offen: Von wie vielen Fällen bei welcher konkreten Straftat ist die Rede? Welche Form von Beschaffungskriminalität ist gemeint? Reden wir gerade über mehr als 2000 Verstöße gegen das BtmG? Besitz? Handel? Beschaffungskriminalität? Welche Hinweise kann der Redner geben, die die Statistik nicht erfasst oder durch die ihr eigene Kategorienbildung ausblendet (z.B.: von welchen Drogen sprechen wir? welche Gruppen von Tatverdächtigen fallen besonders auf?).

Ausgeführt werden hingegen Fälle von 14-Jährigen, die „2 Gramm am Tag brauchen, das kostet 20€. Das sind 140€ in der Woche oder 560€ im Monat“. Die Ausführungen laufen auf die Aussage zu, THC sei die „Einstiegsdroge“. Dies sei die Konsequenz aus der Suche der 14-Jährigen nach einem „größeren Kick“.

Der verwendete Suchtbegriff („2 Gramm … brauchen“ – psychisch, physisch, beides, bei THC? oder doch bei einer anderen Droge? welcher?) bleibt ebenso im Dunkeln, wie auch Angaben zu denjenigen, um die es sich handelt, Zahlen, deren Milieu, sonstige soziale oder psychologische Einordnungen etc.. Welche Maßnahmen von welcher Stelle empirisch geeignet wären, das Verhalten von Jugendlichen zu ändern, bleibt außen vor.

Klar gestellt wird das Repressionsanliegen: „jeder Fall ist eine Straftat und wird verfolgt“. Die Steigerung kommt direkt danach aus dem Haus selbst unter Verweis auf §90 SchulG und „sofortigen Schulausschluss“. Die Gerichte und deren Umgang mit den konkreten Einzelfällen werden nur kurz gestreift. Dass auch Maßnahmen nach §90 SchulG verhältnismäßig sein müssen geht unter.

So mischt sich alles zu einem Brei, der zu offensichtlich die Wirkung haben soll: Erschrecket Euch!

Mein Eindruck ist, dass die Öffentlichkeitsarbeit der Exekutive sich so eher selbst ein Bein stellt, als dass sie Mitstreiter gewönne: Eine undifferenzierte und bezüglich der eigenen Rolle unkritische Darstellung erzeugt bei Selbstdenkern quasi automatisch das „Aber“, das in einer Großrunde nicht bearbeitet werden kann und sich so gegen den Redner wendet.

Oder ich hab das Anliegen falsch verstanden und es geht auch vor diesem Plenum (Akademiker, Pädagogen) nur um die Erhöhung der Anzeigebereitschaft, um mehr Repressionsarbeit durch die Lehrkräfte?

Vermutlich. Denn da reicht das Dargestellte.

Auf der Basis der vorhandenen Zahlen und Erfahrungen einen Blick auf die konkrete Situation auf dem Höhnisch zu wagen, könnte vermutlich mehr leisten, bräuchte jedoch weniger Vortrag und mehr Arbeitsgruppe: Gezielte Hinweise auf Gefährdungspotentiale, beachtenswerte sozial-psychologische Faktoren, ein kritischer Blick auf die vorhandenen Ansätze der Präventionsarbeit in der Schule, die Rolle von Elternhaus, Schule, Hilfestellen und die Rolle der Polizei in diesem Feld und die Möglichkeiten, diese in schulische Präventionsarbeit einzubinden etc.. Im besten Falle: Ansätze für eine Kooperation, die über Repression hinausgeht.

Update 21.12.2018

Da scheint sich doch noch was in die richtige Richtung – Prävention statt Repression – zu bewegen. Mal sehen, wie das weiter läuft. Einzelne Tage zum Thema werden vermutlich wenig ändern. Da ist die peer group doch dominanter.